Der historische Skanderbeg-Platz

Tirana ist nicht nur  die Hauptstadt des Landes, sondern auch das wichtige politische, kulturelle, wissenschaftliche Zentrum.

Einer der Identifikationsorte in Tirana ist zweifelsohne der Skanderbeg-Platz, der zur Zeit eine Baustelle ist. Auf dem Skanderbeg-Platz wird seit 10 Monaten dafür gearbeitet, ihn zu einer Fußgängerzone, zu einem richtigen Erholungspark zu machen – wie der Oberbürgermeister der Hauptstadt, Erion Veliaj erklärt. Am 10. Juni wird die Restauration des Skanderbeg-Platzes eingeweiht.

Die Hauptelemente dieses Projektes sind die natürlichen Steine aus  allen albanischen Gebieten, die Pflanzen bzw. Zierpflanzen, Wasserfontänen und die Beleuchtung.

Mit diesen charakteristischen natürlichen Steinen  aus verschiedenen Regionen des Landes werden ca. 41 000 Quadratmeter auf dem Platz, sowie Gehsteige bedeckt. Darüber hinaus werden über 900 hohe dekorative  Bäume, 520 Obstbäume, 954 hohe Zierpflanzen und über 4400 niedrige Zierpflanzen sowie  über 35000 Blumen gepflanzt. Die Beleuchtung wird durch Solaranlagen ermöglicht – erklärte der  Oberbürgermeister Erion Veliaj.

Der Skanderbeg-Platz, liebe Hörerinnen und liebe Hörer, war und bleibt  ein Treffpunkt für viele Albaner, nicht nur aus Tirana, sondern auch aus verschiedenen Regionen des Landes. Skanderbeg-Platz war für viele Jahre  das Zentrum der politischen Kundgebungen, der Konzerte und  kultureller Veranstaltungen. Als das kommunistische System 1990/1991 gestürzt wurde, versammelten sich über 200 000 Albaner auf dem Skanderbeg-Platz.  Genauso viele waren auf diesem Platz auch beim Besuch des Papstes Johannes Paul der II im Jahr 1993.

Über die Rekonstruktion  des Skanderbeg-Platzes gab es einige Projekte und zugleich einen politischen Streit. Zum Glücklich ist er nun  definitiv zu einer  Fußgängerzone, zu einem  schönen Platz geworden, wo Alte und Kinder  ihren  Platz finden können. Hier gibt es nun  ein gutes Gleichgewicht zwischen der bebauten Fläche mit den Grünanlagen. Das ist 50 zu 50 Prozent. Dafür arbeiten ca. 1000 Menschen, Arbeiter, Techniker, Ingenieure, Architekten.

Die Menschen können ungestört spazieren gehen. Gleichzeitig wurde für die Autofahrer ein unterirdischer Parkplatz gebaut, wo mehr als 350 Fahrzeuge geparkt werden können.

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Der Skanderbeg-Platz liegt zentral in der Hauptstadt, umgeben von öffentlichen Gebäuden; mehrere Straßen enden hier aus allen Richtungen kommend. In nördlicher Richtung befindet sich das nationalhistorische Museum, nordöstlich ist  das Hotel Tirana International, das 1979 gebaut wurde und bis zu den 1990-er Jahren das höchste Gebäude mit 15 Stockwerken in Albanien war, auf der östlichen Seite ist der große Kulturpalast mit einem Portikus und 18 hohe Säulen, mit  der Oper und der  Nationalbibliothek und  auf der  südöstlichen Seite die Et’hem Bej-Moschee, direkt daneben ist  das Rathaus der Hauptstadt; auf der westlichen Seite ist die  albanische Nationalbank.

Im Jahr 1917 wurde während der Besetzung durch Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg ein öffentlicher Stadtplatz angelegt, aus dem sich später der Skanderbeg-Platz entwickelte. Jedoch wurde diese Fläche westlich des Basars schon früher als Sheshi Skënderbej oder Sheshi i Tregut bezeichnet, auch wenn es noch wenig von einem Platz hatte. Ein von den Österreichern 1917 erbautes Offizierskasino steht noch heute – genutzt als Puppentheater – am Südwestrand des Platzes.

Nachdem Tirana 1920 zur Hauptstadt erkoren worden war und die Einwohnerzahl rasch anstieg, entstanden in der Folge mehrere Bebauungspläne, die alle einen zentralen Platz an dieser Stelle vorsahen, der von der Nord-Süd-Achse durch Tiranas Zentrum, im Norden der Bulevardi Zogu I., im Süden der Bulevardi Dëshmorët e Kombit, durchschnitten wird. Die Allee wird in nördlicher Richtung noch 1,7 km verlängert, wo eine schöne Allee,  moderne Straßen und Fußgängerzonen, Parks und  unterirdische Parkplätze geschaffen werden.

Erst in den späten 1930er Jahren war der Skanderbeg-Platz fertiggestellt. In dessen Zentrum stand eine kreisrunde Brunnenanlage, die 1944 im Krieg zerstört und nicht mehr ersetzt worden ist. Gegenüber der Et’hem-Bey-Moschee stand das Rathaus aus dem Jahr 1930, links davon im spitzen Winkel zwischen der Kavaja- und der Durrës-Straße das Café Kursaal. Beide Gebäude, Rathaus und Café, wurden im Rahmen späterer Umgestaltungen des Platzes abgebrochen. Die Nordost-Ecke des Platzes bildete den Übergang zum Bazar-Viertel. Südlich des Brunnens schloss sich die ovale Anlage mit den Ministerien an. Diese bildeten damals noch den südlichen Abschluss der Stadt, aber eine Ausdehnung darüber hinaus war schon lange geplant.

Nach dem Krieg wurde der Skanderbeg-Platz mehrfach umgestaltet. Bis zum Jahr 1968 war hier  eine Stalin-Statue zu sehen. Bazar-Viertel mit orthodoxer Kathedrale und Rathaus mussten den neuen Monumentalgebäuden Platz machen, als der Skanderbeg-Platz ab den 1960er Jahren neu gestaltet wurde, um Platz zu schaffen für eine weite Fläche für politische Veranstaltungen und Kundgebungen vor der Kulisse von stalinistisch geprägten Monumentalbauten .

Dem Namensgeber Skanderbeg zu Ehren wurde anlässlich seines 500. Todestags im Jahr 1968 im Mittelpunkt des Platzes eine elf Meter hohe, bronzene Reiterstatue errichtet. Das Skanderbeg-Denkmal wurde von dem bekannten albanischen Bildhauer Odhise Paskali entworfen.

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Der Skanderbeg-Platz war nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems  Ende 1990/1991 stark vom Autoverkehr geprägt. In der kommunistischen Herrschaft waren private Autos verboten.

Die Hoxha-Statue auf dem nordwestlichen Teil des Platzes wurde im Februar 1991 bei den Studentenprotesten gestürzt. Während des Transformationsprozesses fanden auf dem Skanderbeg-Platz wiederholt politische Kundgebungen und Demonstrationen statt. Aber auch Konzerte wurden auf der Bühne vor dem Kulturpalast durchgeführt, so zum Beispiel 1999 ein Konzert von DJ Bobo mit 150.000 Zuschauern.

 

Der damalige Bürgermeister Edi Rama  verfolgte ab dem Jahr 2008 Pläne zur Umgestaltung, um den Platz zu modernisieren und zu europäisieren. Er veranstaltete zusammen mit der Stadtverwaltung und Experten einen internationalen Wettbewerb, welchen 2008 ein französisches Architektenstudio gewonnen hatte. Die Umbauarbeiten begannen im März 2010, verzögerten sich aber, weil die von der Demokratischen Partei dominierte Landesregierung Einspruch erhob.

 „Im Zentrum der Stadt findet man noch heute, was ganz am Beginn stand: Die Moschee, den Uhrturm, der Kern für  die kommende Stadt. Tirana gehört nicht  zu den ältesten Städte des Landes, wie Durres, Lezha oder Shkodra; Tirana ist eine  relativ junge Stadt, gegründet im Jahr 1614.  Der alte Bürgermeister und der heutige Ministerpräsident, Edi Rama hat über  Tirana unter anderem geschrieben: „Heute bilden der Platz und der von ihm ausgehende Boulevard das Herz der Stadt. Umrahmt von den Gebäuden aus der italienisch-faschistischen Periode und dem Kulturpalast, der das Symbol unserer politischen Liebesgeschichte mit der Sowjetunion ist. Unweit davon befindet sich das Hotel Tirana, das Symbol unserer politischen Liebesgeschichte mit China, dann das Nationalmuseum, ein Symbol unseres Narzissmus und unserer Selbstisolation. Und dann sind da noch die leeren Flächen, die von den gestürzten Denkmälern zurückgelassen wurden und uns an die Leere erinnern, in der wir nach wie vor in einem Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen sind. In diese Leere versuchen wir nun, den Platz der Zukunft zu bauen.“

Und zum Glück werden wir diesen schönen Platz der Zukunft am 10. Juni feierlich einweihen.

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Et’hem Bey Moschee

Die Et’hem Bey Moschee an der Ostseite ist das älteste Bauwerk auf dem Skanderbeg Platz, sie stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, als Tirana noch eine osmanische Siedlung war. Sie wurde nach einem Nachfahren des Sultans Süleyman Pascha benannt, der Tirana im Jahr 1614 als osmanische Landstadt gründete. Ihr schlankes Minarett zählt heute noch zu den auffälligsten Strukturen am Skanderbeg Platz. Im Inneren der Moschee sind die kunstvollen Fresken, die mit Wasserfällen, Brücken und Bäumen für den Islam ungewöhnliche Motive enthalten.

Uhrturm

Gleich hinter der Moschee befindet sich mit dem Uhrturm aus den 1820er-Jahren eines der Wahrzeichen von Tirana. Der 1928 auf 35m erhöhte Turm wurde ebenso wie die Moschee von Et’hem Bey errichtet. Gegen eine kleine Gebühr kann der nachts hell erstrahlende Uhrturm bestiegen werden, der von seiner Spitze aus einen sehenswerten Blick über die albanische Hauptstadt bietet. Früher zeigte er nicht nur die Uhrzeit an, sondern die Straßenhändler wussten auch, dass es Zeit war, ihre Geschäfte zu schließen, wenn der Schatten des Uhrturms zu Sonnenuntergang über die Moschee zu wandern begann.

TID-Tower

Gleich hinter dem ältesten Gebäude, der Moschee, thront heute das jüngste Gebäude des Skanderbeg Platzes. Der TID-Tower wurde als Teil eines Masterplans zur Modernisierung von Tiranas Innenstadt im Jahr 2012 fertiggestellt und wird als Wohn- und Büroturm genutzt. Mit einer Höhe von 85 Metern ist der TID-Tower das höchste Gebäude Albaniens. Zu seinen Füßen liegt das Grabmal des Stadtgründers Süleyman Pascha, das vor dem Abriss bewahrt werden konnte.

Ministerien

Die Ministerien am Skanderbeg Platz stammen aus den 1930er-Jahren und zählen zu den baugeschichtlich interessantesten Gebäuden des Platzes. Die historischen Bauten in Rot und Gelb schließen direkt an die Stadtverwaltung und den Uhrturm an und beherbergen heute das Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Transport und Telekommunikation, das Ministerium für Landwirtschaft und das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Energie.

Puppentheater

Das Puppentheater am Südwestrand des Skanderbeg Platzes entstand wie der Platz selbst im Jahr 1917 und fungierte damals als Offizierskasino des österreichischen Militärs. In der Königszeit diente das Haus als das Parlamentsgebäude.

Historisches Nationalmuseum

Die feierliche Eröffnung des Nationalmuseums erfolgte im Jahr 1981 gemeinsam mit der Westerweiterung des Skanderbeg Platzes. Das monumentale Gebäude fällt vor allem durch sein überdimensionales Mosaik auf der Fassade auf, welches mehrere Albaner aus verschiedenen Epochen darstellt. Auf etwa 18.000m2 Ausstellungsfläche können über 6.000 Exponate besichtigt werden.

Hotel Tirana

Das 1979 eingeweihte Hotel Tirana war mit 15 Stockwerken fast 20 Jahre lang das höchste Gebäude der Stadt.

Kulturpalast

Der modern-sozialistische Kulturpalast war in den 1960er-Jahren das erste Bauwerk der Sowjetunion am Skanderbeg Platz. Seine 18 monumentalen Säulen wirken heute noch beeindruckend. Hinter der schlichten Fassade verbergen sich neben heute Geschäftslokalen auch das Opernhaus von Tirana und die Nationalbibliothek.

 

 

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