Die albanische Wirtschaft und die regionale Zusammenarbeit

Die  albanische Regierung hat parallel zu den  diplomatischen Anstrengungen für  die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen mit der EU auch die  Wirtschaftsdiplomatie aktiviert, um  mehr ausländische Investitionen für die Wirtschaft des Landes zu gewinnen, insbesondere für die  schnelle Entwicklung der  Straßeninfrastruktur, des Tourismus und der Energiewirtschaft.

Ausgehend von diesen großen Zielen reiste der albanische Regierungschef, Edi Rama, nach London, wo er  an dem Gipfel der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung für den Westbalkan teilgenommen hat. Das ist der vierte Gipfel dieser  Art und hatte das Ziel, den Westbalkan als  Investitionsstandort zu promovieren. Nach dem Beginn des Berliner Prozesses hat in unserer Region eine  neue Ära begonnen – erklärte der albanische Regierungschef, Rama, der diesen Gipfel nutzte,   an ausländische Investoren zu appellieren, nach Albanien zu kommen und  in der albanischen Wirtschaft zu investieren, weil das albanische Parlament  ein  gesetzliches Erleichterungspaket und die Regierung ein freundschaftliches  Business-Klima geschaffen haben.

Albanien bietet ein wichtiges Potential in der Energiewirtschaft an. Weltbekannte Unternehmen haben  Interesse dafür gezeigt. In der vergangenen Woche hat die albanische Regierung ein Abkommen mit dem Unternehmen SHELL unterzeichnet, Erdöl im albanischen  Küstengebiet zu  suchen.

Der Tourismus bleibt ein anderes  Feld mit einem reichen Investitionspotential. Albanien bietet neue Möglichkeiten vor allem für den Elitentourismus an, der sichtbar gewachsen ist. Leider fehlen bei uns die  Hotelkapazitäten, so dass die albanischen Reiseagenturen um 25 Prozent der  Anträge ablehnen mussten. Ausgehend von dieser Tatsache hat  die albanische Regierung ein neues Gesetz verabschiedet, das Vorteile für die Unternehmen schafft, die  im Tourismus investieren möchten. Wenn ein Unternehmen Hotels mit vier und  fünf Sternen in Albanien baut, wird von den Steuern für die ersten 10 Jahre ausgeschlossen – so erklärte der albanische Regierungschef, Rama, in London.

Die Straßeninfrastruktur ist ein anderes  wichtiges  Element der regionalen Zusammenarbeit, die  die Ministerpräsidenten der Westbalkanstaaten in London diskutiert haben. Die Länder unserer Region brauchen neue  Investitionen, um ein Straßennetz nach dem europäischen Standard zu bauen, damit sich  Menschen und  Güter frei  und schnell innerhalb der Region bewegen können. Es gibt ein  regionales Projekt, das   von der EU mit den Westbalkanländern diskutiert wird. Das  ist die Adriatisch-Ionische Autobahn, von Kroatien bis nach Südalbanien und  Griechenland. Albanien hat inzwischen begonnen,  Teile dieser Autobahn zu bauen. Das gleiche machen derzeit auch Serbien und andere Länder.

Das  Engagement der EU  auf dem Westbalkan und die Erweiterung der EU mit neuen Ländern aus unserer Region  sind  klar. Dies haben EU-Politiker  betont. Dies bekräftigte auch  der Präsident der Europäischen Kommission, Juncker, bei seiner Rundreise durch die Westbalkanländer. Juncker erklärte in Tirana: Für uns sind der Westbalkan und  insbesondere Albanien befreundete Länder, Verbündete und Partner, die eine  europäische Perspektive haben. Denn Albanien ist ein durchaus europäisches Land.

Nach den Berichten der  Vertretung der EU in Albanien betrug das Handelsvolumen der EU mit dem Westbalkan im Jahr 2016  ca. 43 Mrd. Euro. Um 9,8 Mrd. Euro hat die EU zwischen  2007 und 2017 in der  Region  investiert und für das  Jahr  2018 sind  um 1,07 Mrd. Euro vorgesehen. Die Unternehmen aus den EU-Mitgliedsländern sind  die größten Investitore auf dem Westbalkan. Es gibt 10 Mrd. Euro direkte ausländische Investitionen in den letzten Jahren. Der Westbalkan ist ein großer Markt mit mehr als 18 Mio. Konsumenten und  sein  wirtschaftliches Potential wächst immer mehr – meinen die Experten. Deshalb sind die Koordination der Anstrengungen und  die Ausarbeitung gemeinsamer  Projekte von großer nationaler und regionaler Bedeutung.

So investiert  KfW aus Deutschland unter anderem für  den Bau der Hochspannungslinien zwischen Albanien und Montenegro, zwischen Albanien und  dem Kosovo und zwischen Albanien und Mazedonien. Die albanische Regierung hat auf  der letzten Versammlung in der Museumsstadt Berat ein Abkommen mit KfW für die Hochspannungslinie mit dem Kosovo  im Wert von  42 Mio. Euro unterzeichnet. Dafür werden ca. 240 km Hochspannungslinie zwischen den beiden Ländern gebaut. Dadurch entsteht auch ein regionales Stromnetz und die Länder der Region können in guten wie schlechten Zeiten Strom exportieren  bzw. importieren. Vor einigen Jahren fehlte diese  Möglichkeit der Zusammenarbeit.

Parallel zu  der Zusammenarbeit  mit den EU-Investoren sucht die albanische Regierung andere Investitionsquellen in der Form der  öffentlich-privaten Partnerschaft oder  der Investitionen in den  befreundeten Ländern außerhalb der EU. Die Projekte der  chinesischen Regierung  „Eine Generation – eine Straße“ oder „16 + 1“ haben die Unterstützung der  Regierungen der  südosteuropäischen Länder gefunden. Die chinesischen Investitionen sind  auch in Albanien  sichtbar gewachsen. China ist der  drittgrößte Handelspartner Albaniens nach Italien und Deutschland mit ca. 410 Mio. US-Dollar, während die Türkei und  Griechenland einen  Handelsaustausch mit Albanien im Wert von je  368 Mio. US-Dollar haben – schreibt   Prof. Afrim Krasniqi.

Was die ausländischen Investitionen anbetrifft, ist Griechenland mit  1,2 Mrd.  Euro für das Jahr 2017 auf erster Stelle, gefolgt von den Niederlanden mit 870 Mio. Euro (das ist auf das  Abkommen mit SHELL) zurückzuführen. Auch die albanisch-türkische Zusammenarbeit ist  in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Türkische Unternehmen sind bereit, den Flughafen in der südwestalbanischen Stadt Vlora zu bauen. Dieser soll der größte  Flughafen in unserem Land sein und wird bis 100 Mio. Euro kosten – erklärte der albanische Minister für  Infrastruktur und Energiewirtschaft, Damjan Gjiknuri. Mit dem  Bau dieses  Flughafens  wird man dem Tourismus  neue Impulse geben. Es ist bekannt, dass Albanien ein  reiches touristisches Potential hat, das noch nicht  vollständig ausgenutzt worden ist.

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