Unser Hörer fragen – wir antworten

 Heiner Finkhaus schreibt uns in einem Brief  unter anderem:

Der Beitrag zu den Ausgrabungen in Apollonia war sehr interessant. Mich erstaunte, dass die damaligen Ausgrabungen durch österreichische Archäologen durchgeführt wurden. Gibt es aktuell auch noch ausländische Archäologen-Teams in Albanien, oder  werden die Ausgrabungen an verschiedenen Stellen von albanischen Wissenschaftlern durchgeführt? – so schreibt uns  Heiner. Hier unsere Antwort.

Lieber Heiner,

Albanien hat einen  reichen historischen Schatz. Dazu gehören  einige sehr berühmte archäologische Stätten, wie Butrint und Apollonia, aber auch Amantia und Bylis, ganz zu schweigen von den lebenden historischen Werten in Durres, Berat oder Gjirokastra.

Das Interesse für die archäologischen Werte hat in Albanien bereits im 19. Jahrhundert begonnen. Es waren einige Historiker und Geographen, die sich mit alten  albanischen Werten beschäftigten.

Zu den ersten gehört der  Franzose   François Pouqueville, der französische Konsul in Ioannina, der  bereits im 19. Jahrhundert eine Rundreise durch Albanien  durchführte und im Jahr 1820 auch ein Buch über die antike Geschichte der Albaner geschrieben hat. Pouqueville hat einige Bücher über Albanien geschrieben, darunter auch ein Buch über die Diplomatie des berühmten albanischen Feudalherren Ali Pascha Tepelena, der anderes auch als der Löwe von Ioannina bekannt ist.

15 Jahre später war der Engländer, Martin Leake, der eine Reise durch Albanien unternahm. Er besuchte einige historische und archäologische Stätten  und all dies hat er in einem Buch dokumentiert.

Später kam eine französische wissenschaftliche Missionsgruppe unter der Leitung von  Heuzey und besuchte Durres und  Apolonia. 1876 hat dieser französische Archäologe ein Buch über seine archäologische Mission veröffentlicht.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam der österreichische Balkanologe Karl Patsch zu einem Besuch in Albanien. Er besuchte Apolonia und das Randgebiet der Stadt Vlora, wo er die alte archäologische Stätte Amantia entdeckt hat. Er besuchte auch die alte Stätte Bylis und all dies hat Patsch in einem Buch dokumentiert.

Während des Ersten Weltkrieges kamen zwei österreichische Archäologen nach Albanien,  Praschniker und  Schieber, die sich auf Forschungs- und Untersuchungsarbeit in Nordalbanien konzentrierten. Sie haben auch südalbanische Regionen besucht. Gestützt auf ihre Funde über die illyrische Kultur auf dem albanischen Territorium haben sie zwei Bücher 1919 und 1920 geschrieben bzw. veröffentlicht.

Im Jahr 1924 kam eine archäologische Mission unter der Leitung des französischen Archäologen Leon Rey nach Albanien und begann die Ausgrabungsarbeiten in Apolonia. Diese Ausgrabungsarbeit dauerte in Apolonia bis zum  Jahr 1938 und die Resultate wurden in einer archäologischen Zeitschrift Frankreichs zwischen 1925 und 1939 veröffentlicht.

Im Jahr 1926 kam der italienische Archäologe Luigi  Ugolini nach Albanien und begann die Ausgrabungen in der südalbanischen archäologischen Stätte Foinike. Nach Ugolini kam ein anderer Italiener namens  Mustili. Ugolini hat über die Resultate seiner archäologischen Ausgrabungen drei Bände unter dem Titel „Das antike Albanien“ in Rom veröffentlicht.

Mustili hat die Resultate seiner Arbeit im Jahr 1940 unter dem Titel „Die prähistorische Zivilisation Albaniens“ veröffentlicht.

Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges haben die archäologischen Ausgrabungen ausländische  Archäologen geleitet und  durchgeführt.

Im Jahr 1948 wurde in Tirana das archäologisch-ethnographische Museum gegründet und die albanischen Archäologen haben diese Arbeit fortgesetzt, wie in Butrint und  Apolonia, aber auch in Bylis, Foinike und Amantia. Sie haben ihre Tätigkeit auch in  Nord- und Südostalbanien erweitert. Zu erwähnen sind  die Mati-Kultur oder die Kultur von Maliq, wo die archäologischen albanischen Kräfte wichtige historische Funde freigelegt haben, welche  die Fortsetzung des illyrisch-albanischen Lebens dokumentieren.

Die albanischen Archäologen haben 1966 das  Amphitheater von Durres freigelegt, eines der größten  Amphitheater  auf dem Balkan.

Die archäologischen Arbeiten werden auch heute intensiv fortgesetzt: in Butrint haben eine bestimmte Zeit albanische und englische Archäologen gearbeitet; in Apolonia gab es  einige amerikanische und französische Expeditionen, während deutsche und  albanische Archäologen ihre Ausgrabungsarbeit in der nordwestalbanischen Stadt Lezha konzentriert haben.

Tatsache ist jedoch, dass  die Ausgrabungsarbeiten heute von albanischen Archäologen und Wissenschaftlern geleitet werden.