Antworten auf Höerfragen: die Energiewirtschaft in Albanien

Unser Freund und Stammhörer, Gottfried Falk aus Neidlingen schreibt uns in einem Brief vom 13. Mai unter anderem:

…Neulich auf einer Frage eines Hörers berichteten Sie über den Weinbau in Albanien, ein sehr guter Beitrag.

Heute  möchte ich auch eine Frage stellen, was die Stromversorgung betrifft. Vor einigen Jahren gab es das Problem, das der Verbrauch der Energie von vielen Kunden nicht richtig gemessen wurde und  so den Versorgern viel Geld vorenthalten wurde. Meine Frage dazu: Konnte dieses Problem inzwischen beseitigt werden. Bemerken möchte ich das, weil ich bei einem Energieversorger tätig war. Ich kann mich gut erinnern, wie „Stromzähler“ für Albanien bereitgestellt wurden – so schreibt und Gottfried Falk, dem ich für diese Fragen herzlich danken möchte.

Hier unsere Antwort.

Albanien  verfügt über ein reiches  Wasserpotential und  gehört zu den wasserreichsten Ländern in Europa. Albanien hat über 39 Mrd. Kubikmeter Wasser, das  jährlich für  die Stromerzeugung und  die Bewässerung verwendet wird.

Darüber hinaus hat  Albanien auch ein reiches Potential für  die Solarenergie. In Südwestalbanien,  in der albanischen Riviera gibt es  bis 2000 Stunden mit Sonne im Jahr.

Auch das Potential für die Windenergie ist groß. Doch die  Sonnenenergie und  die Windenergie werden noch wenig benutzt, während die Wasserenergie  das Rückgrat der  albanischen Stromversorgung  ausmacht.

In Albanien decken  die Wasserkraftwerke über 80 Prozent des Strombedarfes unseres Landes; die drei größten Wasserkraftwerke sind an der Kaskade des Flusses Drin  in Nordalbanien  und  konkret bei Vau i Dejes, Koman und Fierza.

  1. Das Wasserkraft in Fierza wurde 1978 in Betrieb genommen und es hat eine installierte Leistungskraft von 500 Megawatt
  2. Das größte Wasserkraftwerk in Albanien befindet sich in Koman; dieses Wasserkraftwerk wurde 1985 in Betrieb genommen und hat eine installierte Leistungskraft von 600 Megawatt.
  3. Das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës  wurde im Jahr 1971 gebaut und als erstes Wasserkraftwerk an der Kaskade des Flusses Drin hat es eine  installierte Leistungskraft von  250 Megawatt.

Weitere Wasserkraftwerke gibt es  auch in einigen anderen Städten wie Bistrica 1 und Bistrica 2,  in Südalbanien, die Wasserkraftwerke in Shkopet und Poliçan. In der  südostalbanischen Region Devoll und im mittelalbanischen Gebiet Gramsh werden zwei neue Wasserkraftwerke  gebaut. 

Ich habe selbst den Bau von zwei  modernen Wasserkraftwerken  bei Ashta 1 und Ashta 2, in der Gemeinde Bushat bei Shkodra, verfolgt, die sich an der Kaskade des Flusses Drin, direkt nach dem Wasserkraftwerk Vau i Dejes  befinden; sie sind zwei kleine, moderne und umweltfreundliche Wasserkraftwerke mit einer Investition von 200 Mio. Euro.

Die beiden Wasserkraftwerke  Ashta 1 und Ashta 2 umfassen eine Fläche von 400 Hektar und werden mit einander durch einen 5 km langen  Kanal verbunden; Ihre Kapazität ist 53 Megawatt  mit einer Jahresproduktion von  242 Mio. Kilowatt/Stunden und  sie werden die Stromversorgung für 100 000 Haushalte  garantieren.

Die Technologie ist modern und hier werden Hydromatrix-Turbinen eingesetzt.

Es ist sehr  interessant, doch der Bau dieser Wasserkraftwerke hat  auch das Bett des Flusses Drin diszipliniert und  eine sehr schöne Landschaft geschafft. Das entsprechende Umweltschutzprojekt kümmert sich um die  Verbesserung der Wohnbedingungen für die Fischsorten und die Vögel dieser Region. Heute leben  in dieser Region mehr Vogelarten  als früher. Das ganze  Areal  darf  von Jägern oder  Fahrzeugen  nicht betreten.

 Wir möchten mit diesem Projekt in Ashta ein Modell der Harmonie  der Stromerzeugung und des Umweltschutzes schaffen, erklärte der  Projektmanager  Dietmar Reiner  auf einem Treffen mit Einwohnern und  Leitungskräften der Kommunalpolitik in der Gemeinde Bushat bei Shkodra.

Der Wasserbecken des Flusses Drin ist der größte auf dem Balkan mit einem Strompotential von 1350 Megawatt.

Diese oben genannten Wasserkraftwerke erzeugen im Jahr bis 3,850 GWh und  geben für die Staatskasse im Durchschnitt 20 Mrd. Lekë im Jahr, oder 1,33 Prozent des Bruttosozialproduktes.

Weitere kleine Wasserkraftwerke werden inzwischen gebaut; die albanische Regierung hat über 400 Baugenehmigungen für Wasserkraftwerke gegeben. Die aktuelle Regierung fordert eine Überprüfung dieser  Baugenehmigungen, mit dem Ziel,  die Umwelt streng zu schützen.

Gleichzeitig  wird die Regierung auch einige Projekte für  die Erzeugung der Sonnen- und Windenergie.

In der südalbanischen  Region Tepelena wird der erste Windpark errichtet, eine Investition von 15 Mio. Euro. Es ist vorgesehen, 70  Arbeitsplätze zu schaffen – so erklärte der Bürgermeister von Tepelena, Termet Peçi..

Der Windpark in Tepelena  wird der erste überhaupt in Albanien sein.

Die Sonnenenergie wird von  zahlreichen albanischen Familien in Süd- und Südwestalbanien benutzt, doch die Möglichkeiten sind viel größer.

Viele Jahre haben  zahlreiche Familien, vor allem  im Norden und im Nordosten, aber auch in Tirana ihre Stromrechnungen nicht bezahlt. Es gab sogar auch einige Wirtschaftsunternehmen, so dass die Stromverluste fast 50 Prozent betrugen. Das war kein Problem der Stromzähler allein.

Nach einer breiten nationalen Operation wurden alle Familien kontrolliert, die einen Stromanschluss illegal realisiert hatten. Alle wurden abgebrochen. Die Regierung appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, die alten Stromrechnungen zu zahlen, sonst würden sie  angezeigt. Inzwischen ist dieses Problem gelöst und die Verluste, einschließlich der Verluste am  Netz sind unter 20 Prozent gesunken.

Für  Familien, die  ein niedriges Einnahmen haben, gibt es  eine staatliche Unterstützung.

Parallel dazu werden alle Haushalte mit Stromzähler ausgestattet. Auch ich erinnere mich an  die Zeit, Ende der 11990-er Jahre, als das Wasserkraftwerk  Vau i Dejes bei Shkodra  von einem schweizerischen Unternehmen gewartet wurde. Auch damals wurden bis 400 000 Stromzähler bestellt.

Mit einer deutschen Finanzierung wurde der südalbanische Stromring errichtet, mit dem Ziel die südalbanischen Städte und  die touristischen  Gebiete rund um die Uhr mit Strom zu versorgen.

Wie es scheint, ist auch diese Dienstleistung zur Normalität geworden. /Astrit Ibro/