Wirtschaftliche Realitäten: Eisenbahn-Projekt

Eine der wirtschaftlichen Prioritäten der albanischen Regierung  ist die Verbesserung bzw. die Modernisierung der Infrastruktur der Transportwege. Mit Aufmerksamkeit werden einige Projekte über die Reparatur des Eisenbahnnetzes verfolgt, das  ruiniert worden ist. Der  parlamentarische Ausschuss für Produktion, Handel und  Umweltschutz hat am vergangenen Dienstag ein Abkommen über eine Hilfe des gemeinsamen  europäischen Fonds für den Westbalkan  für den Bau der Eisenbahnstrecke Tirana-Durres-Flughafen Rinas in Höhe von 35 Mio. Euro verabschiedet.

Die Gewinner dieses Projektes sollen  voraussichtlich in diesem Jahr bekannt werden, während die Bauarbeit 30 Monate andauern soll.

Das Projekt hat einen Gesamtwert von 90,45 Mio. Euro und wird Tirana mit dem  Busterminal, dem  Internationalen Flughafen „Mutter Theresa“ und der Hafenstadt Durres verbinden. Dieses Projekt über die albanische Eisenbahn ist eines der drei Projekte, die auf  dem Gipfel der Westbalkanstaaten im Juli 2016 in Triest gewonnen hat.

Und nun bringen wir einen  kurzen historischen Überblick über die albanische Eisenbahn.

Hekurudha Shqiptare – Albanische Eisenbahn, ist der Name der albanischen Eisenbahngesellschaft. Das Eisenbahnnetz ist in Normalspur ausgeführt und hat eine Gesamtlänge von 447 km. Die HSH hat ihren Sitz in der Hafenstadt Durrës.

Hier noch kurz über die Entstehungsgeschichte der albanischen Eisenbahn.

Ein schon fast landesweites Schmalspurnetz wurde gegen Ende des Ersten Weltkriegs aufgebaut. 300 km Schienen verbanden Shkodra, Tirana, Durrës, Elbasan, Berat und die Lagune von Narta nördlich von Vlora. Die Bahn wurde für militärische Zwecke in den Jahren 1917/1918 errichtet und wurde teilweise noch 10 Jahre weiter genutzt. Die Spurweite betrug 600, 750 bzw. 760 mm.

Während des Zweiten Weltkrieges verkehrte in der Region Durrës-Kavaja eine Feldbahn. Zwei andere Feldbahn-Strecken mit drei Stichstrecken lagen in der Ebene westlich von Laç. Die Bahn mit der Spurweite 760mm gehörte einer privaten Minengesellschaft. Der Betrieb wurde Ende der 1940er Jahre nach rund 10 Jahren eingestellt.

Als die Kommunistische Partei die Macht übernahmen, war lediglich die 12 km lange Minenbahn aus dem Jahr 1930, die das Bitumen-Werk von Selenica mit der Hafenstadt Vlora verband, in Betrieb.

Alle heute bestehenden albanischen Eisenbahnlinien wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, oft in Freiwilligen-Einsätzen von Bevölkerung und Studenten. Die kommunistische Regierung war vor allem bestrebt, durch die Eisenbahn die im Landesinneren gelegenen Bergwerke mit den Metall verarbeitenden Fabriken und den Häfen zu verbinden.

Die erste Eisenbahnstrecke des Landes wurde zwischen Durrës und Peqin errichtet. Die am 7. November 1947 eröffnete, 43 km lange Normalspur-Strecke basierte auf einer Schmalspurlinie aus dem Zweiten Weltkrieg. Es folgte zwei Jahre später die 38 km lange Verbindung Tirana–Durrës. In der Folge wurde das Streckennetz allmählich erweitert, wobei vor allem die Strecke nach Pogradec mit zahlreichen Brücken und Tunneln die Ingenieure vor größeren Herausforderungen stellte.

Der Anschluss an das internationale Streckennetz erfolgte 1986 zwischen Shkodra und dem heute montenegrinischen Podgorica. Diese Strecke – noch immer die einzige Schienenverbindung ins Ausland – wurde und wird nur für Güterverkehr genutzt. Einige Jahre funktionierte sie nicht, vor allem nach den bewaffneten Unruhen 1997, als Vandalen die Eisenbahnschienen zerstörten.

Im März 2003 wurde die Verbindung nach Montenegro wieder in Betrieb genommen, die allerdings weiter nur dem Güterverkehr dient.

Gegenwärtig wird für den Bau der Strecke zwischen Pogradec und der mazedonischen Grenze gearbeitet, um dann eine Verbindung mit dem mazedonischen Bahnnetz  zu ermöglichen. Die beiden Regierungen haben das entsprechende Abkommen unterzeichnet..

Die Eisenbahn hat in den Jahren seit der Wende viel von ihrer Bedeutung eingebüßt. Die meisten Reisenden benutzen heute Busse oder Pkw, die durch den Ausbau der Straßennetzes inzwischen wesentlich schneller sind. Auch die Transportvolumina im Warentransport waren mit dem Ende des kommunistischen Regimes zusammengebrochen, weil die meisten Fabriken und industriellen Anlagen im Land schlossen.

Zwischen Tirana und Durrës verkehren  pro Richtung und Tag etwa zehn Züge. Das Reisen mit der Bahn bleibt ausgesprochen günstig, was trotz der Langsamkeit eine gewisse Konkurrenzfähigkeit der Bahn auch weiterhin garantiert. Andererseits ermöglichen die niedrigen Einnahmen aus dem Personenverkehr kaum Modernisierungsinvestitionen, ja sie decken nicht einmal die laufenden Kosten.

Zur Zeit sind bei der albanischen Eisenbahn 25 alte tschechische Diesellokomitven des Typs T 669 im Einsatz. Das Rollmaterial für den Personenverkehr besteht aus ausgemusterten Personenwagen der DB sowie aus Italien und Österreich.[5]

Mit ausländischer Unterstützung werden Reparaturen an der Strecke Tirana-Durrës durchgeführt, eine vollkommene Erneuerung ist in Planung. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Züge zwischen den beiden größten albanischen Städten mit deutlich höherer Geschwindigkeiten verkehren, so dass die Eisenbahn überhaupt erst die Chance hätte, eine ernsthafte Alternative zum sich rasant entwickelnden Straßenverkehr zu werden.

Mit geringem Aufwand könnten Stichstrecken von Lezha zum Hafen von Shëngjin sowie – vermutlich im Rahmen einer neuen Stadtbahn in Tirana – zum Flughafen von Tirana errichtet werden.

Ende 2003 wurde ein Vorprojekt mit dem US-Konzern General Electric unter anderem zu dieser Flughafenanbindung und zur Modernisierung und Ertüchtigung der Strecke TiranaDurrës für Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h vereinbart. Dafür sollten unter anderem gesicherte Bahnübergänge und eine elektronische Streckenüberwachung installiert werden. Vor den Wahlen 2005 wurde dieses Vorhaben vom Parlament bewilligt. Nach anfänglicher Zustimmung hat aber die neue Regierung dieses Projekt inzwischen auf Eis gelegt, nicht zuletzt auch auf Grund der Bedenken der Weltbank hinsichtlich der Finanzierung. Die Weltbank empfahl zudem, die Strecken Elbasan-Pogradec und Fier-Vlora einzustellen und den Personalbestand zu reduzieren.[7] General Electric erhielt in der Folge eine Entschädigung über mehrere Millionen Euro.

Es scheint jetzt, wieder Interesse zu haben, die schnelle Eisenbahnstrecke Tirana-Flughafen-Durres wieder in Gang zu bringen.