Antworten auf Hörerfragen: Straßenbau in Albanien

Dieser Tage haben  wir wieder neue und reiche Post erhalten, die für uns sehr wichtig sind. Neben den Kommentaren gibt es auch interessante Fragen.

Heute beantworten wir eine Frage unseres Stammhörers und Freundes, Dieter Feltes. Dieter schreibt uns in einer E-Mail unter anderem:

Hallo Astrit!

Vielen Dank für die reichliche Information über Albanien . Ich denke noch oft an die schönen Tage in Tirana. Mittlerweile wird sich vieles verändert haben.
Wie berichtet wird, werden Straßen in Albanien gebaut. Werden hierzu ausländische Firmen hinzu gezogen? Oder werden die Arbeiten ausschließlich durch albanische Firmen durchgeführt. Ich weis von deutschen Firmen die im Ausland z. B. Autobahnen bauen.
so schreibt uns Dieter. Hier unsere Antwort.

Lieber Dieter, liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

die Straßeninfrastruktur hat sich in den letzten 20 Jahren radikal verändert bzw. verbessert. Wir hatten von dem kommunistischen Regime ein Straßennetz übernommen, das  für 150 000 bis 200 000  Fahrzeuge vorgesehen war. Es gab keine privaten  Fahrzeuge und die Straßen waren sehr schmal, während die ländlichen Straßen zum  größten Teil nicht asphaltiert waren.

Mit der Hilfe der EU und mit  Fonds aus dem Staatshaushalt werden breite Straßen und Autobahnen gebaut, die  den Verkehr und den Gütertransport deutlich erleichtert haben.

Die Straßen werden nach Projekten gebaut und daran nehmen albanische und ausländische Firmen teil. Sie unterstehen einem Ausschreibungsverfahren. Es gibt Straßen, die albanische Unternehmen gebaut haben, doch es gibt auch ausländische Firmen, die zum Straßenbau in Albanien beigetragen haben, wie  mazedonische, türkische, griechische oder italienische, deutsche und amerikanische Bauunternehmen.

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Hier  noch einen kurzen historischen Überblick über den Straßenbau in Albanien.

Die Straßen sind  für ein Land wie die Ader  im Körper eines Menschen, lebenswichtig für die Entwicklung, die Kommunikation, den Wohlstand.

In der  Straßeninfrastruktur haben die albanischen Regierungen seit Mitte der 1990-er Jahre viel investiert. Wir haben ein relativ gutes Straßennetz, doch dabei muss noch viel  getan, um alle ländlichen Regionen des Landes mit  den Provinzhauptstädten zu verbinden.

In den Jahren 1925-1930 wurden einige  kleine private Transportunternehmen gegründet, die dazu beigetragen haben, ein Straßennetz in Albanien zu bauen bzw. auszubauen.

Im Jahr 1945 gab es  im albanischen Straßennetz 2800 km Straßen, von denen nur 400 km asphaltiert waren. Bis zum Jahr  1990 vergrößerte sich das Straßennetz auf 7450 km, von denen  nur 2650 km  asphaltierte Straßen waren. Doch die Straßen waren  sehr schmal und es gab keine Autobahn in unserem Land. Nach den Statistiken gab es bis  zum Sturz des Kommunismus nur 140 000 Fahrzeuge, von denen nur 3 000 PKWs. Alles war staatlich. Die Privatfahrzeuge waren verboten.

Das albanische Straßennetz umfasst  heute eine Straßenlänge von ca. 18.600 km. Gestützt auf  Statistiken des  albanischen Institutes für Statistiken, INSTAT,  gibt es heute  über 563 000 Fahrzeuge in Albanien.

Albanien hat in den letzten 10 bis 15 Jahren  große Investitionen im Straßenbau getätigt. Dazu gehören die Autobahn Tirana-Durres, die erste Autobahn in Albanien, die Straße der Nation, die den albanischen Hafen Durres mit der kosovarischen Hauptstadt Prishtina verbindet,  die Straße zwischen Levan bei Fier bis nach dem  Grenzübergang mit Griechenland in Kakavija oder zwischen  Levan und  Vlora, die neue Straße Tirana-Elbasan oder  Elbasan bis zum  Grenzübergang mit Griechenland Kapshtica, die neue Straße Tirana-Shkodra und vieles  mehr. Bedeutungsvoll sind drei Straßenkorridore: Ost-West, Nord-Süd und Durres bis zum Grenzübergang mit dem Kosovo im Morina-Pass in Nordostalbanien.

Die albanische Regierung hat im neuen Staatshaushalt für das Jahr 2018 ein  sichtbares Investitionspaket für den Straßenbau vorgesehen. Die  Investitionen in der Straßeninfrastruktur sind um 42 Prozent größer als im Vorjahr – so heißt es  im Wirtschaftsprogramm der albanischen Regierung. Darüber hinaus hat sie ein Projekt namens „1 Mrd.“ lanciert. Das ist eine  öffentlich-private Partnerschaft, die darauf abzielt,  unter anderem Straßen innerhalb einer kurzen Zeit zu bauen,  für die die Regierung mit ihren eigenen  Fonds mehrere Jahre braucht.

Das albanische  Ministerium für Infrastruktur und Transportwesen hat  bis zum Jahr 2020 6  wichtige nationale Straßenprojekte geplant und konkret:

  • Die Straße von Vora nach Kruja-Ebene bis Thumana,
  • Die Bypass-Straße von Tirana mit der großen Ringstraße in der Hauptstadt,
  • Die Bypass-Straße von Tepelena,
  • Die Arberi-Straße,
  • Qukes-Plloça-Pass bis nach Korça,
  • Die Bypass-Straße zwischen Fieri und Vlora

 

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von lokalen Straßen, die die  Städte mit den touristischen Orten verbinden, wie  zwischen Shkodra und Velipoja in Nordwestalbanien, sowie Straßen, die  ländliche Regionen mit den Marktzentren  schnell verbinden. Weitere Bypass-Straßen werden in Lezha, Elbasan und GJirokastra gebaut.  Die Arberi-Straße kürzt die  Distanz zwischen Peshkopia im Osten und  Tirana um 50 km, während eine genauso wichtige Straße ist die zwischen Kardhiq und  Delvina in Südalbanien, um die touristische Stadt Saranda und  die albanische Riviera schneller zu erreichen.

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