Antworten auf Hörerfragen: Schulsystem in Albanien

Auch in dieser Woche haben wir  neue Post mit interessanten Fragen erhalten. Unser Stammhörer und Freund, Lutz Winkler, schreibt uns unter anderem:

…Mich würde heute interessieren, wie es um die Lehrer in Albanien bestellt ist. Hier in Deutschland hat der Lehrerberuf nicht gerade einen hohen Sympathiewert: Lehrer werden je nach Bundesland und Schultyp  unterschiedlich bezahlt und gerade junge Lehrer bekommen nicht das üppigste Gehalt. Durch die Ganztagsschulen zählt auch der Spruch nicht mehr: vormittags haben sie Recht und nachmittags haben sie frei. Wie ist es um das Ansehen der Lehrer in Albanien bestellt, welches Gehalt bekommen sie? so schreibt uns Lutz.

Lieber Lutz,

wie wir schon berichtet haben, hat  am 17. September das neue Schuljahr 2018-2019 in Albanien begonnen.

Albanien hat ein duales  Bildungssystem, das  aus staatlichen und privaten Schulen besteht, doch alle Schulen müssen nach einem einheitlichen Lehrprogramm unterrichten, das das  Ministerium für Schulbildung und Sport zugestimmt hat.

Nach einem neuen Bericht dieses Ministeriums gibt es in Albanien insgesamt  585945 Schülerinnen und Schüler, die in drei Bildungsebenen unterrichtet werden. Das  Bildungssystem besteht aus einigen Gliedern, wie die vorschulische Ausbildung mit ca. 82 500 Kindern. Die ersten vier Klassen gehören zur Volks- bzw. Grundschule. Nach einem Beschluss der albanischen Regierung  bekommen die Schülerinnen und Schüler der ersten vier Klassen die Lehrbücher kostenlos.  Aus dieser Maßnahme haben in diesem Schuljahr 190 000 Schülerinnen und Schüler profitiert – erklärte die  Ministerin, Lindita Nikolla. Die Grundschule besteht aus  neun Jahren und  sie ist Pflicht für alle Kinder.  Laut einer  Information des Ministeriums für  Schulbildung und  Sport gibt es  in Albanien 363 408 Schülerinnen und  Schüler. Hinzu kommen noch die Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen, ca. 140 000. Die Mittelschule besteht aus Berufsschulen und aus  allgemeinen Mittelschulen, eine Art Gymnasium.

In ganz Albanien  gibt es  über 3570 Schulen, in denen mehr als  38 000 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, angefangen bei der vorschulischen Ausbildung bis zum Gymnasium.

Der Lehrerberuf  ist ein angesehener Beruf, weil die  Arbeit der Lehrer unmittelbar mit der  Vorbereitung der jungen Generation verbunden ist.

Auch bei uns gab es  in einigen schwierigen Zeiten  Probleme in der Schule: die Lehrerinnen und Lehrer waren nicht so gut bezahlt.

Inzwischen gibt es  eine klare Ausbildungspolitik und im albanischen  Schulsystem gab es eine  tiefgreifende Reform. Das Bildungsministerium nimmt als Modell einige Lehrbücher aus bekannten europäischen Schulen.

Darüber hinaus sind die Gehälter der Lehrer in den letzten 10 Jahren verdoppelt.

Für bessere Arbeits- und Unterrichtsbedingungen werden einige neue Schulen gebaut, obwohl die Schülerzahl in staatlichen Schulklassen noch relativ hoch ist, vor allem in den Ballungszentren, wie Tirana.

Ein  anderes Problem verbindet sich mit  einigen entlegensten Dörfern, in denen die Kinderzahl sehr gering ist. Mit der Finanzierung der Gemeinden werden diese Kinder in eine andere Schule im Nachbardorf transportiert oder es gibt auch die sogenannten kollektiven Klassen, wo 10 Schüler im unterschiedlichen Alter in gemeinsamen  Klassen unterrichtet werden. Bis jetzt gibt es im ganzen  Land  ca. 30 000 Schülerinnen und Schüler, die in solchen Klassen unterrichtet werden. Das  Ministerium für Schulbildung und Sport  hat Mitte September erklärt, dass  dieses Problem in diesem Jahr gelöst wird und dass es  im kommenden Jahr  keine kollektiven Klassen mehr geben wird.

Für die Lehrerinnen und Lehrer, die in die entlegenen  Dörfer  und kleine Provinzstädten gehen, gibt es  einen Bonus, genauso wie dies  auch für Ärzte praktiziert wird.