Antworten auf Hörerfragen

Liebe Hörerinnen und liebe Hörer des deutschsprachigen  Programms!

Wir haben auch in dieser Woche neue Post mit interessanten Fragen erhalten.

 

Jörg Clemens Hoffmann, unser Freund und Stammhörer schreibt uns diesmal unter anderem:

Lieber Astrit,

liebe deutschsprachige  Redaktion von Radio Tirana!

… Ich freue mich sehr, dass zurzeit das Signal von Radio Tirana auf 3985 kHz gut zu hören ist. So ist es kein Problem, den deutschsprachigen Programmen abends zuzuhören. Die aktuellen und informativen Sendungen sind für mich stets eine gute Möglichkeit, umfangreiche Informationen aus und über Albanien zu erhalten. Mir gefällt es auch gut, dass zwischen den Beiträgen albanische Musik gespielt wird. So sind die Sendungen aufgelockerter. In diesem Zusammenhang würde es mich interessieren, welche Musikinstrumente für Albanien typisch sind? Sicherlich werden insbesondere in der Volksmusik spezielle Instrumente eingesetzt, die in Westeuropa nur wenig bekannt sind – so schreibt uns Jörg. Hier unsere Antwort.

Signal

 

Lieber Jörg,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

das albanische Volk hat eine reiche und schöne Volksmusik, die von charakteristischen und weltbekannten Musikinstrumenten begleitet wird.

Musikalisch wird Albanien in einigen  Regionen geteilt:

In Nordalbanien  werden die Volkslieder und Volkstänze mit dem charakteristischen Musikinstrument, Tschiftelia, eine Art Mandoline mit zwei Saiten begleitet, während die Tänze mit der Trommel begleitet werden; im Nordwesten, um die Region  Shkodra sind die Jare, die städtischen Volkslieder bekannt. In Mittelalbanien enthalten die Volkslieder auch türkische und griechische  Musikelemente. In der südostalbanischen Region  Korça und Pogradec sind die Serenaden sehr bekannt.

Sehr bekannt und einmalig ist auch die albanische Polyphonie. Die Iso-Polyphonie ist ein traditioneller mehrstimmiger Gesang. Die Iso-Polyphonie ist hauptsächlich in Südalbanien und Nordwestgriechenland anzutreffen .

Bei der polyphonen Musik Albaniens werden im Groben drei Gruppen unterschieden. Die größte ist jene der Tosken,  im Gebiet zwischen den Flüssen Shkumbin und Vjosa . Zu den zweiten zählen die Laben, die südlich der Vjosa bis nach Saranda beheimatet sind. Die Regionen südlich von Saranda sowie diejenigen der Çamen in Nordwestgriechenland gehören zur dritten Gruppe. Der mehrstimmige Gesang wird von einer Bordunstimme begleitet, die das Wiederholen oder das Aushalten eines Tones erfordert. Die Iso-Polyphonie steht seit 2005 als Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit unter dem Schutz der UNESCO.

 

Alle Musikgruppen des Landes treffen sich in je 5 Jahren auf der Burg der Museumsstadt Gjirokastra, auf dem nationalen Folklorefestival, auf dem sie  ihr Musikkönnen, die musikalische Vielfalt und  die charakteristischen Volkstrachten präsentieren.

 

Çiftelia, ist eine albanische Langhalslaute. Das Zupfinstrument besteht aus einem birnenförmigen Korpus, einem langen schlanken Hals und ist mit zwei Saiten bespannt. Die Saiten sind oft in B und E gestimmt (Quarte). Dabei wird hauptsächlich die untere höher gestimmte E-Saite für die Melodie benutzt.

 

Die Çiftelia wird besonders auf Hochzeiten und Konzerten in der Volksmusik gespielt. Sie ist integraler Bestandteil der Volksmusik NordalbaniensKosovos und Nordwestmazedoniens.

 

„Zum Haus der nordalbanischen Familien gehören eine Lahutë und eine Çifteli, weil der Gast nicht um zu essen, sondern zum Erzählen und aus Freude am Musizieren kommt. Und auch die Berge sind die Stille nicht gewohnt, sie brauchen die Heldenlieder und die Stimme der Lahutë, damit sie wissen, dass ihre Söhne leben und nicht gestorben sind, genauso wie auch die Helden nicht sterben.“

 

Die Lahuta ist ein einseitiges  Musikinstrument, mit der Gusle verwandte Fidel. Das typisch nordalbanische Musikinstrument ist auch in den Bergländern Mittelalbaniens verbreitet. Die Lahuta wird vom Spieler (Rhapsode genannt) aus einem einzigen Holzblock hergestellt, dabei greift er auf verschiedene Holzarten zu, wie Ahorn, Fichte, seltener Pappel, Weide, Nussbaum, Eiche sowie Moorerle oder Wilder Kürbis. Die Schalldecke besteht aus Jungziegen- oder Kaninchenhaut. Den Kopf schmückt oft eine Herz-, Blatt- oder Steinbockfigur. Der Steinbock ist dabei ein Symbol für den Helm des Skanderbeg, des albanischen Nationalheldens. Der Bogen ist aus dem Holz der Kornelkirsche gefertigt, stark gekrümmt und mit schwarzem Rosshaar gespannt. Die Lahuta wird meist nur von Männern, an Winterabenden am offenen Kamin gespielt. Der Hausherr beginnt meist das Lied und übergibt die Lahuta den vorhandenen Gästen, um sie auf diese Weise zu respektieren. Das Instrument wird als das der Bergbewohner, nicht als das der Bauern betrachtet.

 

Weitere  charakteristische Musikinstrumente sind die  Flöte und Doppelflöte,  die Rahmentrommel mit Schellenring, die Dudelsack oder die Zylindertrommel.

 

Die Zylindertrommel Lodra  ähnelt der türkischen Davul. Die Bedeutung des Wortes kommt vom Verb „lodroj“, was so viel heißt wie „ich tanze“. Dies veranschaulicht die enorme Bedeutung der Lodra für verschiedene Tänze. Die große Trommel kommt bei Gegen häufiger vor.

 

Die Musiker bauen ihre Flöten aus Holz, Metall oder Kunststoff. Meist spielen die Flötisten improvisierte Stücke. Die Flöte ist ebenfalls mehrheitlich bei den Gegen anzutreffen. Sie war ein typisches Musikinstrument der Hirten.

Der wichtigste charakteristische Unterschied zwischen der Volksmusik der nordalbanischen Gegen und jener der südalbanischen Tosken ist die Gesangsart bei Volksliedern. Bei Ersteren ist die solistische weit verbreitet, während bei Letzteren die Iso-Polyphonie (Mehrstimmigkeit) vorherrscht.

 

Def oder Dajre, eine Rahmentrommel mit Schellenring, ist sowohl bei Gegen als auch bei Tosken verbreitet. Im Norden wird sie Dajre genannt. Sie gehört zu den wenigen Musikinstrumenten, die auch von Frauen gespielt werden. Manche Volkslieder werden einzig mit der Def begleitet. So sind sie zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil bei der Musik zu den „Zweiertänzen“ der Tosken. Dieser in der Region der Myzeqe-Ebene verbreitete Tanz braucht die Dajre für seinen Rhythmus. Eine solche Schlüsselrolle hat die Dajre auch bei den Çamen Südalbaniens und Nordwestgriechenlands.

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