Antworten auf Hörerfragen

Liebe Leserinnen und  liebe Leser der deutschsprachigen Webseite von Radio Tirana,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer, herzlich willkommen zu unserem Programm. Ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende!

Sie empfangen Radio Tirana täglich, von Montag bis Samstag, auf unserer Internetseite www.rti.rtsh.al, sowie um 21 Uhr 30 bis 22 Uhr auch auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz.

Unser Freund und Stammhörer, Volker Willschrey hat uns in einer  E-Mail unter anderem geschrieben:

Lieber Astrit,

danke für weitere qsl Karten. Dieser neue Satz mit Ansichten von Tirana ist wirklich super gelungen und es sind wahre Schmuckstücke. Mein Kompliment zu den schönen Aufnahmen von Dir.

Natürlich höre ich nach wie vor gerne Eure Sendungen und versuche, keine der Briefkastensendungen und Beiträge „Antworten auf Hörerfragen“ zu versäumen. Heute hätte ich auch eine Frage an Dich. Als ich 1972 in Tirana war (ich wohnte damals für eine Woche im Hotel Adriatik in Durrës) war ich auch (wie Du ja weißt) für einen Tag in Tirana. Wir hatten damals die Stadt besichtigt und unser Mittagessen im Hotel Dajti eingenommen, einem der wenigen Hotels in Tirana, das für Ausländer geöffnet war. Das Hotel hat nach dem Ende der Diktatur seine Bedeutung verloren und ich war überrascht, es in einem solchen desolaten Zustand aufzufinden, als ich 2010 zum zweiten Mal in Tirana war (damals mit der DX Reisegruppe). Man konnte dem Gebäude seinen einst so bedeutenden repräsentativen Status nicht mehr ansehen. Man hat es leer stehen lassen, aber auch nicht abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Scheinbar genießt es einen Denkmalschutz. Das hat sich auch nicht geändert, als ich 2014 und 2016 wieder in Tirana war. Ich glaube, es wäre bestimmt auch für andere Hörer von Radio Tirana interessant, etwas über die Geschichte dieses Bauwerks zu erfahren, das so vieles überstanden hat und das bis heute nicht vom Abriss bedroht zu sein scheint. Was hat es Besonderes auf sich mit dem Gebäude. Und wie sieht die Zukunft aus? Gibt es irgendeinen Plan, das Ganze wieder zu renovieren, evtl. als Museum? – so schreibt uns Volker.

Hier unsere Antwort.

Lieber Volker,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

Das Hotel Dajti in der albanischen Hauptstadt Tirana  galt lange Zeit als das beste  Hotel des Landes. Es befindet sich im Stadtzentrum direkt am Boulevard der „Helden der Nation“ und ist benannt nach dem  Berg Dajti im Osten der Hauptstadt Tirana.  Das Hotel wurde Anfang der 1940er Jahre vom italienischen Architekten Gherardo Bosio, Leiter des Zentralen Bau- und Städtebauamts von Tirana, gebaut. 

Bei der Eröffnung im April 1942 war Bosio bereits gestorben. Das Hotel galt damals als eines der besten Häuser auf dem Balkan. Seit 2007 ist es als Kulturmonument geschützt.

Erstellt wurde das Hotel im Rahmen einer Neugestaltung der albanischen Hauptstadt durch die Italiener unter der Leitung von Gherardo Bosio. Damals wurde – basierend auf der ursprünglichen Idee von Armando Brasini – Tiranas Prachtsboulevard  „Dëshmorët e Kombit“  mit vielen Regierungsgebäuden errichtet. Bekanntlich wurden in der Zeit des Königs Zogu die Ministerien, das Hauptgebäude der Universität und der  König-Palast gebaut. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Gebäude während kurzer Zeit als Sitz der  kommunistischen Regierung. Hotel Dajti war lange Zeit  das einzige Hotel für ausländische Gäste in Tirana. Ab den 1970er Jahren war das Hotel Dajti nur noch Staatsgästen und Geschäftsreisenden vorbehalten – Touristen mussten im Hotel Tirana übernachten. Das Hotel Dajti galt fortan als bestes Haus im Land. Bekannt und auch regelmäßiger Schauplatz einzelner Szenen in literarischen Werken aus Albanien war die Hotel-Bar. Das Hotel war  in den 1970-er und 1980-er Jahren für  die Albaner verboten, während die ausländischen  Gäste von der Staatssicherheit bewacht wurden.

„Außerdem beherbergte es das beste Restaurant und eine legendäre Nachtbar, in der die überschaubare Zahl der ortsansässigen Diplomaten gern Gerüchte austauschte […].“ so schreibt Christiane Jaenicke: Albanien – ein Länderporträt.

Auch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems blieb das Hotel in Staatsbesitz. Mangels Investitionen und aufgrund neuer Konkurrenz ab 1995 verlor das Haus schnell an Bedeutung. Mehrere Versuche, das Hotel zu verkaufen, schlugen fehl. 2002 wurde der Hotelbetrieb eingestellt. Das zerstörte Haus wurde ab und zu für Kunstausstellungen gebraucht. 2010 kaufte die albanische Zentralbank  das Gebäude für € 30 Millionen. Die Bank nutzte das Gebäude, während ihr Hauptsitz am Skanderbeg-Platz restauriert wurde. Nachdem der Hauptsitz der Nationalbank umgebaut worden war, kündigte die Bank Anfang 2015 an, demnächst das Gebäude des ehemaligen Hotels restaurieren zu wollen. Hierfür wurden rund € 18 Millionen zur Verfügung gestellt. Die Restaurationsarbeit geht weiter.  Im Moment wird in den  inneren Räumlichkeiten und  auf der östlichen Seite gearbeitet, wo das Gebäude  ausgebaut wird.

Im Erdgeschoss befand sich neben der Eingangshalle und der Bar ein großer Ballsaal. Auf der von der Straße abgewandten Seite liegen eine Terrasse und ein kleiner, ruhiger Garten. In den drei Obergeschossen befinden sich die rund 85 Gästezimmer – alle mit Balkonen. Doch die  Gästezimmer werden jetzt vergrößert und modernisiert, so dass ich bis jetzt nicht weiß,  wie groß die Kapazität sein wird. Darüber hinaus  wissen wir noch nicht, ob das Gebäude nach der Restauration wieder als Hotel dienen wird, oder als  Verwaltungshaus für die Nationalbank Albaniens. Tatsache ist, dass es  heute  einige sehr schöne Hotels in Tirana gebaut worden sind.

Die Obergeschosse sind bezüglich Struktur und Stil deutlich schlichter gehalten als das prunkvolle, Marmor-verkleidete Erdgeschoss, was mit den in den Kriegsjahren schwindenden Mitteln erklärt wird.

Nebst der zur Straße hingewandten Front hat das Gebäude auf der Rückseite einen L-förmig anschließenden Anbau. Insgesamt beträgt die Fläche des Hauses 2000 Quadratmeter.

**

Unser Freund und Stammhörer Siegbert  Gerhard schreibt uns diesmal unter anderem:

Lieber Astrit,

zwischenzeitlich habe ich mir Deine informativen und sehr interessanten Ausführungen zu Albanien und insbesondere Radio Tirana auf Youtube angeschaut und war begeistert. Du hast Radio Tirana mit seiner wechselhaften Geschichte bestens vorgestellt und sehr plastisch politische wie auch zeitgeschichtliche Verknüpfungen und Verbindungen dargestellt.

Im Video war auch ein Röhren-Oldtimer-Radio zu sehen:

Wer ist der Hersteller?

Funktioniert das Radio noch? – so schreibt uns Siegbert.

Hier unsere Antwort.

Lieber Siegbert,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

 das ist ein altes, schönes Radiogerät, dass ich zum ersten Mal Anfang 1978 im  Büro des Direktors von Radio Tirana International gesehen habe. Für die damalige Zeit war  es ein modernes Gerät, wo man Programme auf Lang-, Mittel- und Kurzwellen sogar auf Sterio hören konnte. Der damalige Direktor kontrollierte unsere Sendungen. Bekanntlich hat Radio Tirana in den 1980-er Jahren  Programme in 21 Fremdsprachen gesendet.

Doch das Radio ist viel älter als meine Dienstjahre in Radio Tirana.

 Das ist eine  deutsche Produktion.

In der  Zeit der Unruhen im Jahr 1997 habe ich das Radio in einem Raum gefunden. Ich hatte Angst, dass man  es  zerstören oder  einfach weg werfen konnte und so habe ich es in meinem Büro genommen, wo es auch heute noch ist.

Mit der modernen Technik höre ich  Radio nicht durch dieses Röhren-Radio. Trotzdem ist  es ein Stück unserer alten Geschichte, als Radio Tirana  auf Mittel- und Kurzwellen gesendet hat.  Heute sehe ich dieses  Oldtimer-Radio als ein Pracht-Stück.

 

 

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