Antworten auf Hörerfragen

Liebe Leserinnen und Leser  der Webseite von Radio Tirana,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer, herzlich willkommen zu unserem  deutschen Programm. ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende!

Sie empfangen Radio Tirana täglich, von Montag bis Samstag auf unserer Internetseite www.rti.rtsh.al, sowie  um 19 Uhr 30 bis 20 Uhr auch auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz.

Borys Przedpełski aus Warschau ist ein  Stammhörer des deutschen Programms von Radio Tirana, der uns in letzter Zeit mehrmals  geschrieben und interessante Fragen gestellt hat. Dafür möchte ich  Borys herzlich danken.

Borys schreibt uns diesmal unter anderem:

… Lieber Astrit!

Liebe Redaktion!

Ich bedanke mich bei Ihnen sehr herzlich für die schöne QSL-Karte aus Tirana (Serie K: Impressionen aus Tirana, Motiv 3). Ich habe mich darüber gefreut. Im Rahmen der Sendereihe „Antworten auf Hörerfragen“ möchte ich etwas mehr über die religiösen Bewegungen und Gemeinschaften in Tirana erfahren. Ich danke Ihnen im Voraus – so schreibt uns Borys. Hier unsere Antwort.

In Albanien gibt es drei große Religionsgemeinschaften: die Muslime, darunter der Bektaschi-Orden, die Orthodoxen und die Katholiken, die  in Frieden und Freundschaft mit einander zusammenleben, so dass diese Harmonie als Vorbild auch für andere Völker vorgeschlagen wird.

Obwohl es in Albanien keine Volkszählung  auf religiöser Basis gab und gibt,  nehmen alle an, dass  die Muslime die größte Gruppierung ausmachen;  an zweiter Stelle sind die Orthodoxen und  die drittgrößte  Religionsgruppe machen die Katholiken aus, die vorwiegend in Nordalbanien leben.

In der kommunistischen Zeit wurden die Rechte und  Meinungsfreiheiten stets reduziert, bis die Religion im Jahr 1967 verboten wurde. Albanien war zwischen 1967 und 1990 das einzige atheistische Land der Welt, wo  die Religion als Opium   bezeichnet wurde. Allein in den ersten  6 Monaten seit dem Religionsverbot 1967 wurden  2035 Gotteshäuser, darunter  740 Moscheen, 530 Tekkes und Türben, 608 orthodoxe und 157 katholische Kirchen geschlossen. Sie wurden, wenn sie  nicht von kunsthistorischem Wert  waren, in Kinos, Lagerhallen oder Sportstätten umgewandelt, andere  Gotteshäuser wurden komplett zerstört.  Die große Kathedrale in der nordwestalbanischen Stadt  Shkodra wurde in eine Sporthalle umfunktioniert. Sie ist die größte katholische Kathedrale in unserem Land; oder  die  große Moschee in der Hafenstadt Durres wurde in ein Kulturhaus umfunktioniert, während  die Minarette  abgerissen wurden.

Mit dem Sturz des kommunistischen Regimes wurde  der politische Pluralismus zugelassen und damit auch die Religionsfreiheit.  Die ersten Messen wurden auf dem  freien Himmel in Shkodra zelebriert. Dann wurden die Gotteshäuser eines nach dem anderen wieder aufgebaut.  Die  katholische Kathedrale in Shkodra wurde mit  der direkten  Unterstützung des Papstes Johannes Paul dem II restauriert, der  sie im Jahr 1993 besuchte. Johannes Paul der II  ist auch der erste Papst, der Albanien je besucht hat. Auch der Papst Franziskus hat Albanien am 21. September 2014 besucht.

Die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften war immer ein Vorbild  für das ganze Land, um geschlossen zu sein, für die Befreiung  zu kämpfen. Dadurch entstand eine starke vereinigende  kulturelle Identität, die historisch auch dadurch bedingt war, dass die Notwendigkeit bestand, die eigene Kultur und Identität vor Eroberuns- und Unterwerfungsversuchen der Besatzungskräfte zu schützen. So appellierte der albanische Dichter Pashko Vasa an die Albaner: „Schaut nicht die Kirchen und Moscheen. Die Religion der Albaner ist das Albanertum“.

Auch heute feiern die Albaner alle Religionsfeste zusammen, indem sie  gegenseitig  besuchen.

In Shkodra gibt es eine alte Tradition: bei Feiertagen schmückt man die Allee zwischen der Kathedrale und der Moschee mit  bunten Fahnen.

Die Albaner waren  in der alten Geschichte alle Christen. Albanien wurde in seiner  Geschichte zweimal christianisiert.

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