Albanien im Jahr 2019

Liebe Leserinnen und Leser der Webseite von Radio Tirana,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer, herzlich willkommen zu unserem Programm! Ich wünsche Ihnen einen  guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende! Sie empfangen Radio Tirana täglich, von Montag bis Samstag, auf unserer Internetseite www.rti.rtsh. al, sowie um 19 Uhr 30 bis 20 Uhr auch auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz!

Nach den Weihnachten warten wir nun auf  den Jahreswechsel. Das  Neujahrfest ist in Albanien das größte Volksfest. In diesem Sinne wünsche ich allen unseren Hörerinnen und Hörern ein gesegnetes und glückliches  neues Jahr 2020!

Das Jahr 2019  war für Albanien und die Albaner kein besonders gutes Jahr. Wenn wir eine Bilanz ziehen, können wir sagen, dass das Jahr 2019 für viele albanische Familien ein trauriges Jahr war. Und damit meine ich drei Erdbeben im März, im September und im November. Das Erdbeben vom 26. November war eines der  stärksten Erdbeben der letzten 40 Jahre, das  51 Personen ihr Leben genommen hat, während über 900 andere verletzt wurden. In Durres, Tirana, Kruja und Lezha sind über 5 000 Häuser, Mehrfamilienhäuser, Gesundheitseinrichtungen und Schulen  beschädigt bzw. eingestürzt. Mehr als 13 000 Obdachlose wohnen nun in Hotels,  Sporthallen, in Zelten oder bei ihren  Verwandten. Die albanische Regierung hat versprochen,  die Häuser bis zum Frühjahr 2021 zu bauen. Die meisten beschädigten Familien werden bereits im Jahr 2020 in die neuen  Häuser einziehen – erklärte der albanische Regierungschef, Edi Rama.

Diese Naturkatastrophe zeigte auch eine Tugend der Albaner: die Solidarität mit den betroffenen Familien. Auch andere Länder haben uns in dieser schwierigen  Zeit geholfen, am Anfang mit Rettungsmannschaften, um noch  Lebende unter den Trümmern zu finden. Und albanische und ausländische  Rettungsmannschaften haben 38 Personen ihr Leben gerettet. Die EU hat geplant, Ende Januar 2020 eine Geberkonferenz für Albanien zu organisieren.

Das Jahr 2019 begann mit einer wichtigen Entscheidung der albanischen Regierung über das Verbot der Glück- und Lottospiele. Die albanischen Familien können dadurch bis 70 Mio. Euro sparen –erklärte der albanische Regierungschef, Edi Rama, damals.

Auch politisch war das  Jahr 2019 kein gutes und ruhiges Jahr. Die albanische Opposition  hat bereits Mitte Februar 2019 das Parlament boykottiert; sie organisierte zahlreiche Proteste, die zum Teil mit Gewaltakten begleitet wurden. Sie fordert weiterhin den Rücktritt des Ministerpräsidenten und neue Parlamentswahlen. Es war der albanische Staatspräsident, Ilir Meta, der am 8. Juni per Dekret die Kommunalwahl vom 30. Juni annullierte. Das war auch das Ende der  heftigen Proteste der Opposition. Trotz dieses Dekretes war die sozialistische Mehrheit entschlossen, die Kommunalwahl abzuhalten und sie hat sie auch abgehalten, indem  die sozialistische Fraktion dem Staatspräsidenten vorgeworfen hat, er habe  die Verfassung verletzt. Eine parlamentarische  Ermittlungskommission bemüht sich die Verfassungsverletzungen durch das Staatsoberhaupt zu  bestätigen, mit dem Ziel, ihn  zu entlassen. Auch  das zweite  Dekret des Präsidenten über die Abhaltung der Kommunalwahl am 13. Oktober wurde von der Opposition nicht respektiert, so dass wir seit  dem Sommer  2019  eine einfarbige Kommunalverwaltung haben.

Mit  Interesse haben die  Albaner auch die Entscheidung des Europäischen Rates über die  Eröffnung der Beitrittsverhandlungen unseres Landes mit der EU vom 18. und 19. Oktober. Durch das Veto  des französischen Staatspräsidenten konnten Albanien und Nordmazedonien die Beitrittsverhandlungen nicht eröffnen, obwohl die beiden  Länder von der Europäischen Kommission gute Noten bekommen hatten. Albanien hatte die  fünf Empfehlungen der EU erfüllt, einige wichtige Integrationsreformen durchgeführt und den Kampf gegen die Korruption und die organisierte Kriminalität verstärkt. Doch Macron  fordert nach wie vor eine Reformierung der EU vor der Erweiterung mit neuen  Ländern.

Unter diesen Umständen gibt es eine  neue Initiative  von drei  Führungskräften : von dem  serbischen  Präsidenten Vucic und  den  albanischen und nordmazedonischen Regierungschefs, Rama und  Zaev, um ein Mini-Schengen-Abkommen für den Westbalkan zu realisieren, um vier  Grundrechte der  EU auch in unserer Region zu verwirklichen, nämlich die freie Bewegung von Menschen, Gütern und Kapital, die Verbesserung der Dienstleistungen und  die  Errichtung einer  gemeinsamen Zollunion.

Die Idee ist nicht neu. Zum ersten Mal hat der  sozialistische Ex-Ministerpräsident, Fatos Nano,  Anfang dieses Jahrtausends darüber gesprochen, doch er fand national wie international keine Unterstützung. Dann war die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, die 2014 die Initiative über den sogenannten Berliner Prozess verwirklichen  ließ, um die Balkanländer zu versöhnen und die  regionale Zusammenarbeit  zu stärken.

Auch heute hat diese Initiative ihre Gegner in Albanien und  im Kosovo.  Die Führungskräfte in Prishtina  sind gegen diese Idee, weil sie Angst vor der Wiederbelebung von Ex-Jugoslawien haben.  Die albanische Opposition kritisiert den  Regierungschef, Rama und wirft ihm vor, er mache das Spiel von Belgrad.

Und  das Jahr 2019 wurde mit einem  fröhlichen Ereignis abgeschlossen.  Radio Tirana und das öffentlich-rechtliche albanische Fernsehen haben in der 3. Dezemberwoche das nationale Liederfestival in Tirana zum 58. Mal durchgeführt. 20 der besten Lieder wurden auf diesem Festival gesungen und am Ende hat eine Jury auch die besten Lieder ausgewählt. Den ersten Platz hat Arilena Ara mit dem Lied „Shaj“ gewonnen und  sie wird  im kommenden Mai  Albanien auf dem Eurosong Contest vertreten.

Das  neue Jahr 2020 beginnt mit einem  frohen Ereignis: im Januar werden wir  den 100. Jahrestag Tirana Hauptstadt. Aus diesem Anlass hat das Rathaus Tirana bunte kulturelle und musikalische  Veranstaltungen vorbereitet. Tirana wurde auf dem Kongress von Lushnja im Januar 1920 als Hauptstadt Albaniens  erklärt. 

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