Hörer fragen – wir antworten

Liebe Leserinnen und Leser unserer Webseite,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

herzlich willkommen zu unserem Programm! Ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende!

Sie empfangen Radio Tirana täglich, von Montag bis Samstag, auf unserer Internetseite www.rti.rtsh.al sowie um 19 Uhr 30 bis 20 Uhr auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz.

Unser Freund  und Stammhörer, Dieter Feltes aus Pyrbaum hat uns  dieser Tage unter anderem geschrieben:

…“Hallo Astrit!

Erstmal vielen Dank für die QSL Karte mit dem ersten Motiv. Es zeigt, so glaube ich, einen Kinderspielplatz in Tirana. Ich finde es schön, wenn mitten in der Stadt sich eine Ruhezone befindet, in der sich zum Beispiel Mütter mit Kindern ausruhen können. Auch ein Spaziergang für die gesamte Bevölkerung ist immer wieder interessant…

Im Fernsehen weniger, aber im Internet, habe ich die Erdbeben Schäden vom letzten Jahr gesehen. Wie ich gesehen habe, hat die Regierung gleich Zelte aufgestellt. Gerade in der Winterzeit ist es schrecklich, weil die Kälte und der Regen überall in die Zelte hereindringt. Ich hoffe, dass die Sachschäden  in der Zwischenzeit einigermaßen behoben werden konnten und die Bevölkerung wieder in ihre Häuser einziehen kann… so schreibt uns unser Freund Dieter.

Hier unsere Antwort.

Lieber Dieter,

Das Jahr 2019 war  mehr oder weniger ein unglückliches  Jahr für Albanien und die Albaner.

Am 21. September und  am 26. November 2019 haben Albanien zwei starke Erdbeben heimgesucht. Gab es im September, zum Glück, keine Menschenopfer, hat das Erdbeben vom 26. November 51 Personen ihr Leben genommen, während ca. 1000 andere verletzt wurden.

Das Erdbeben vom 26. November, mit einer Stärke von 6,4 der Richter-Skala, war eines der schwersten der letzten  40 Jahre.  In den Kreisen Durres, Tirana, Kruja und Lezha gab es große  Sachschäden.

Die albanische Regierung hat in den ersten Tagen die Situation gut  verwaltet. Die Solidarität der Menschen war groß. Die betroffenen Familien wurden in Hotels oder  Zelten gebracht. Heute leben weniger in Zelten, weil die Regierung den  betroffenen Familien, deren Wohnungen unbewohnbar sind, Mieten-Bonus gegeben hat, das heißt, die Familien suchen eine Wohnung und  die Regierung zahlt die Miete.

 Es gibt auch  zahlreiche Bauernfamilien,  die von ihrem Ort nicht weg gehen wollen, weil sie dort Tiere, Garten und Eigentum haben. Diese Familien wurden mit Zelten versorgt, wie  die Familie Cenia in dem schwer beschädigten Gebiet Thumana

Es sind inzwischen mehr als zwei Monate vergangen. Albanische und ausländische Experten haben über  80 Prozent der  beschädigten Häuser kontrolliert, die in drei Gruppen klassifiziert worden sind, wie mir der Architekt Ermal Lama aus dem Rathaus Durres dieser Tage sagte: leicht beschädigte Häuser, mittelmäßig beschädigte Häuser und schwer beschädigte Häuser.

Inzwischen hat die Reparatur der leicht beschädigten Häuser begonnen, weil diese Arbeit schnell geht und so können viele Familien wieder in ihre  Wohnungen einziehen. Bei einem Besuch in der Hafenstadt Durres erklärte der albanische Regierungschef, Edi Rama, dass bis  zum 26. März über 1700 Wohnungen fertig repariert werden und so die Familien in ihre  Wohnungen zurückkehren können. Dann beginnt die zweite  Phase der Reparatur. Die schwer beschädigten Häuser verlangen  eine weitere Kontrolle und  Analyse, um dann  zu entscheiden, ob sie  repariert werden können, oder ob sie  einfach abgerissen werden müssen, um dort neue  Häuser zu bauen. 

Nach zwei Monaten intensiver Arbeit haben die albanischen und ausländischen  Experten die Abschlussbilanz  der Sachschäden bekannt gemacht: Es sing insgesamt  95 235 beschädigte Wohnungen, 321 Schulen, 36 Gesundheitseinrichtungen und 60 Hotels. Hinzu kommen noch 714 beschädigte Gebäude von Business, Handel und Industrie, wie Lager usw.

Für den Wiederaufbau dieser  Häuser und Gebäude werden  über 985 Mio. Euro erforderlich, welche  Albanien mit  seinem bescheidenen Staatshaushalt nicht hat.

Mit großem Interesse wird die Geber-Konferenz für Albanien erwartet, die  am kommenden Montag, den 17. Februar unter direkter Leitung der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, in Brüssel stattfindet und daran werden mehr als 100 Länder, Finanzeinrichtungen und Privatunternehmen teilnehmen.

Die Solidarität und die finanzielle Unterstützung der  Partner und der befreundeten Länder  sind in diesem  Moment sehr wichtig. Die Türkei wird  500 neue Wohnungen für die betroffenen Familien bauen und die Bauarbeit soll Ende Februar beginnen, wie auch der türkische Außenminister Mevlüt  Çavuşoğlu, vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Tirana erklärte.

Auch albanische Privatunternehmen helfen bei der Reparaturarbeit mit.

Die Regierung hat 5 neue  Bauzonen beschlossen, wo neue Wohnhäuser samt  sozialen Einrichtungen, wie Schulen oder Gesundheitseinrichtungen gebaut werden.

Die Regierung hat versprochen, die beschädigten Schulen und  Gesundheitseinrichtungen bis zum September und die Häuser in den Dörfern bis zum Ende  dieses Jahres fertig zu bauen. Die Wiederaufbauarbeit soll  im besten Fall bis Mitte 2021 andauern. Das wäre das beste Szenario.

Für dieses große Unternehmen sind nicht nur  die Finanzmittel erforderlich, sondern auch zahlreiche Baukräfte. Das albanische  Parlament hat dieser Tage ein Gesetz verabschiedet, nach dem  ausländische Fachkräfte in Albanien arbeiten können.

Das ist die Situation bis jetzt und wir hoffen, dass die betroffenen Familien so schnell wie möglich  ihr neues Zuhause bekommen. (AI).

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