Antworten auf Hörerfragen

Liebe Leserinnen und Leser der Webseite von Radio Tirana,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

herzlich willkommen zu unserem Programm. Ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende! Sie empfangen Radio Tirana täglich, von Montag bis Samstag, auf unserer Internetseite www.rti.rtsh.al, sowie um 19 Uhr 30 bis 22 Uhr auch auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz.

Wir haben auch in dieser Woche neue inhaltsreiche Briefe mit interessanten Fragen erhalten.

Unser Freund und Stammhörer, Stephan Lipsius schreibt uns unter anderem:

Lieber Astrit,

gestern habe ich mehrere Artikel und Beiträge über den Abriss des Nationaltheaters in Tirana in den frühen Morgenstunden gelesen. Vielleicht könnt ihr das Thema in einer eurer Sendungen noch einmal aufgreifen bzw. einige Hintergründe zu dem Konflikt vermitteln, zumal ich einiges nicht ganz verstehe. Gegen einen Theaterneubau ist ja überhaupt nichts einzuwenden, zumal wenn das alte Gebäude nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit in technischer und sonstiger Hinsicht entspricht.

Aber warum ließ sich nicht an anderer Stelle in Tirana ein geeigneter Platz für einen Neubau finden? Dann hätte man das alte Theater aus dem Jahr 1939 als Gebäude erhalten können und zu einem Museum o.ä. umbauen und entsprechend nutzen können. Den Entwurf für den Neubau finde ich nämlich architektonisch mutig, ambitioniert und sehr überzeugend. Mir leuchtet nur nicht ein, warum man dafür ein historisches Gebäude abreißen muss, das als zeithistorisches Monument für eine politisch schwierige Zeit und Epoche in Albanien steht und diese symbolisiert.

Warum hat man nicht einen Kompromiss gefunden, Neubau ja, aber an einer anderen Stelle in der Stadt und dafür Erhalt des alten Gebäudes, das man einer anderen Nutzung hätte zuführen können. Gibt es für diese viele Fragen möglicherweise Antworten im Rahmen euer Sendungen?

So schreibt uns  Stephan.

Hier unsere Antwort.

Die Covid-Pandemie  rückt dieser Tage in Albanien in  den Hintergrund, nicht weil die Situation viel besser ist, sondern, weil Künstler, Regisseure, Schauspieler, Vertreter der Zivilgesellschaft auch mit  der Unterstützung der Opposition  eine Protestwelle gegen den Abriss des National Theaters begonnen haben.

Hier  eine kurze historische  Information über das Nationaltheater in der Hauptstadt Tirana.

Das Gebäude des Nationaltheaters war das  einzige futuristische Gebäude des italienischen Architekten, Giulio  Berté. Die Bauarbeit begann 1938 und das Gebäude wurde ein Jahr später, genau im September 11939  fertig gebaut.

Das war ein Antrag des  albanischen Königsreiches, in Übereinstimmung mit dem  albanisch-italienischen Abkommen vom Januar 1938. Das  Areal wurde von der Firma  „Pater“ gebaut und in einer Fläche von  13 000 Quadratmetern wurden eine  Bibliothek errichtet und dort ließ sich auch, das  kulturelle, künstlerische und sportliche Verein „Skanderbeg“ nieder. Es gab auch  Informations- und Übersetzungsbüros. Das ganze  Gebäude befand sich hinter dem Innenministerium. Während der italienischen Besatzung funktionierte es als Kultur- und Erholungsverein. Nach der Kapitulation der Italiener hat es  den Namen „Kino Kosovo“ erhalten.

Als die  Kommunisten 1944 an die  Macht kamen, haben sie  das Gebäude, am Anfang für  das Partisanen-Theater ausgenutzt. Das Gebäude  erhielt den Namen „Volkstheater“

Am 1. März 1945 fand in diesem Gebäude ein „spezieller Gerichtsprozess“ durch die kommunistische Diktatur statt, bei dem 60 albanische Intellektuellen bestraft wurden: 17 durch Erschießung, während 43 andere in kommunistischen Gefängnissen gestorben sind.

Das Nationaltheater  ist das erste Berufstheater  in Albanien, eröffnet wurde es am 17. Mai 1945. Das Theater hat ein Repertoire von 600 Premieren albanischer und ausländischer Autoren.

Das Theater hatte zwei Säle mit  je 220 und 550 Sitzplätzen

In den Anfangsjahren wurden vor allem Stücke aufgeführt, die den Partisanenkrieg zum Thema hatten.

2014 wurde im südlichen Flügel das  sogenannte Experimentaltheater „Kujtim Spahivogli“ eröffnet.

 Mit seinen zwei identischen Flügeln und Fassaden mit einfachen Formen ist es ein markanter Bau, der aber in zweiter Reihe hinter den Ministerien  steht. Der moderne Baustil unterscheidet sich deutlich mit den anderen öffentlichen Bauten der Umgebung.

Der albanische Regierungschef, Edi Rama,  hatte die Idee, bereits als Bürgermeister der Hauptstadt, ein modernes  Theater zu bauen. „Ich habe mit französischen und italienischen Experten über die Möglichkeit der Restauration gesprochen und ihre Antwort war  negativ – so  erklärte Herr Rama dieser Tage.

Und so plante man bereits 2018, das Grundstück einem Investor zu überlassen, der darauf in einer öffentlich-privaten Partnerschaft neben einem Theater auch Hochhäuser für andere Nutzungen bauen könne. Daraus entwickelte sich ein zwei Jahre andauernder Kampf zwischen der Regierung und Gegnern des Projekts, Kunstschaffenden, Denkmalschützern und Politikern der Opposition. Die Gegner, die  auch die Allianz für den Schutz des Theaters gegründet haben,  forderten eine Restaurierung durch öffentliche Gelder und wehrten sich gegen Spekulation und Vergabe von öffentlichen Grundstücken an Private. Die Gegner der Regierung, auch die Opposition warf dem Regierungschef Rama, Korruption und Begünstigung der  Oligarchen vor

Neben den Protesten vor dem Gebäude besetzten Aktivisten das Gebäude, um dies zu schützen.

In der  ganzen Debatte waren alle  Schauspieler, Regisseure und Künstler einverstanden, dass Tirana ein modernes Theater braucht. Dann teilten sie sich in zwei Gruppen: die eine Gruppe  wollte das neue Theater auf den Fundamenten des alten Gebäudes, während die zweite Gruppe für die Restauration des alten Gebäudes und für den Bau eines neuen Theaters anderswo ist.

In der ganzen Debatte ist das Privatunternehmen zurückgetreten und war nicht mehr bereit, das Theater zu bauen.

Unter diesen Umständen hat das Rathaus übernommen, den Bau des neuen Theaters selbst zu finanzieren. Erjon Veliaj, der Oberbürgermeister der Hauptstadt erklärte dieser Tage, dass das neue Gebäude nicht modern sein wird.  Es soll auch  ein Museum beherbergen.

Warum hier und nicht anderswo? – ist die Frage.

Erstens  das Theater ist sehr zentral, erreichbar von allen Seiten. Zweitens, das ist ein öffentliches Grundstück und die Regierung  wird  dafür nicht mehr Geld zahlen.

Der Bürgermeister der Hauptstadt, Erjon Veliaj,  hat einen Tag nach dem Abriss des  alten Gebäudes des Nationaltheaters das  Projekt über das neue Theatergebäude vorgestellt. Das neue  Theater wird eine Fläche von 8930 Quadratmetern haben, oder 6 mal so viel wie das alte  Gebäude.

Der Große Theatersaal soll eine Kapazität von 650 Zuschauern geben. Hinzu kommen noch zwei  Black-box-Sälen und ein  sommerliche Saal auf der  Terrasse.

Die Bühne mit 630 Quadratmetern  wird die größte Bühne in Albanien sein – so Herr Veliaj.

Der Architekt ist Bjarke Ingels, ein dänischer Architekt, der  seit  2006 das Architektenbüro „Bjarke Ingels  Gruppe mit Sitz in Kopenhagen führt.

Dieter Feltes fragt  uns über die Situation der Corona-Pandemie. Er schreibt uns unter anderem:

Hallo Astrit!

Ich wüsste gerne wie die Corona-Zahlen in den ländlichen Gebieten ist. In den Großstädten ist die Situation sicherlich anders oder? – so schreibt uns Dieter.

 Hier unsere Antwort.

Nach  mehr als zwei Monaten scheint es so, dass wir die Corona-Pandemie besiegt haben. Das ist der drastischen Maßnahmen der Regierung und der  Disziplin der Albaner zu verdanken. Heute gibt es im Krankenhaus nur 14  Covid-Patienten, von denen nur drei in intensiver Therapie sind. Mehr als 80 Prozent sind  wieder gesund.

Die Corona-Epidemie war in Albanien vorwiegend  in den  Großstädten, wie Tirana, Durres, Shkodra oder Fieri. In den ländlichen Regionen gab es sehr wenige Fälle. Soweit ich weiß, gab es in einem Dorf nur  zwei Fälle und in einem anderen Dorf nur einen Fall. Diese Fälle waren durch die  Kontakte ihrer Verwandten, die aus Griechenland bzw. aus Italien gekommen waren.

Inzwischen haben mehr als 90 Prozent der Produktionsbetriebe die Arbeit wieder begonnen.  Auch die Bars und Restaurants mit  Terrassen bzw. mit  Räumlichkeiten unter dem freien Himmel  können bis 21 Uhr arbeiten. Nur die Fitnessstudios und der öffentliche Verkehr sind weiterhin blockiert. (A.I.)

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