Der Präsident der Republik Kosovo, Hashim Thaçi, mit einem Appell an das Volk Kosovos

Der Präsident der Republik Kosovo, Hashim Thaçi, gegen  den  vor einigen Tagen eine Anklage  von dem speziellen Staatsanwalt des Kriegstribunals für Kriegsverbrechen bekannt gemacht wurde, wandte sich heute Abend mit einer Botschaft an das Volk. Ich musste als einer der Kämpfer der  Befreiungsarmee von Kosovo mit der Waffe in der Hand kämpfen. Das einzige Gesetz, das ich verletzt habe, ist das der Vertreibung von Slobodan Milosevic von dem Territorium unseres Staates. Ich möchte heute über  diese Thema der Vergleiche der Ausmaße und der Verhältnisse  der  Justiz zu den Kriegsverbrechen nicht lange sprechen, was sicher in der Geschichte der  Weltjustiz und der  internationalen Politik als eine finstere Seite  dieser letzten zwei Jahrzehnte einen Platz einnehmen wird… Der Krieg wurde beendet.  Kosovo ist heute frei und ein souveräner Staat. Seit zwei Jahrzehnten habe ich gearbeitet und werde weiterhin arbeiten für die Versöhnung mit Serbien und  auf dem ganzen Balkan. Heute leben wir nicht nur für uns und unsere Familien, sondern auch für jene Kameraden, die ich während des Krieges beigesetzt habe,  für ihre Eltern und  Kinder, für ihre Neffen und  Enkelkinder. Ich lebe heute für die historische Mission. Wir gingen in den  Kampf, nicht um die Wahlen zu gewinnen, ebenso wenig  die Macht zu übernehmen. Wir gingen in den Kampf, um frei zu leben oder für die Freiheit zu sterben. Wir hatten außer dem großen Traum für Freiheit und Unabhängigkeit nichts anderes. Und gemeinsam haben wir  den Traum  zur Realität gemacht.

Kosovo  geht in ein neues,  gar nicht leichtes Kapitel ein. Das ist nichts Neues, weil unsere Geschichte zahlreiche schwierige Perioden  gehabt hat. Das ist ein neues Kapitel auch für mich und ich weiß nicht, wie schwierig es sein  wird. Ich bin jedoch bereit, dieses Kapitel mit meiner Wahrheit  gegenüber jedem zu schreiben. Ich weiß nicht, ob es Zufall oder  Intrige war, dass  auf dem Weg zum Weißen Haus die Meldung über eine  unbestätigte Anklage herauskam. Muss dies der letzte Preis sein, der  für die Freiheit von Kosovo bezahlt werden muss?

Dieses Kommunique hat das  viel erwartende wichtige Treffen im Weißen Haus in die Luft gesprengt, indem es  der Möglichkeit für das Zustandekommen eines Friedensabkommens zwischen dem Kosovo und Serbien einen starken Schlag versetzte. Mein Appell ist: In diesem neuen, schwierigen  Kapitel müssen wir nur vereint voranschreiten, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene. Kosovo muss eine stabile Funktionierung  der staatlichen Einrichtungen in allen Umständen garantieren.

Ich versichere Euch, dass ich mich mit der Justiz nicht von diesem Büro auseinandersetzen werde. Wenn die Anklage  bestätigt wird, werde ich sofort als Präsident zurücktreten. Kosovo ist das Vaterland aller seiner Bürgerinnen und Bürger, ein europäischer Staat und eine  multiethnische Gesellschaft. Ich sage der Rache Nein und  der  zwischenethnischen Toleranz Ja. Nur wenn  wir die Demokratie für die Bürger aufbauen, bauen wir auch unsere  euroatlantische Zukunft auf – erklärte der Präsident der Republik Kosovo, Hashim Thaçi.

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