Hörer fragen – wir antworten

Liebe Leserinnen und Leser der Webseite von Radio Tirana,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

herzlich willkommen zu unserer Hörerpost. Ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames  Wochenende!! Sie empfangen Radio Tirana täglich auf unserer Internetseite www.rti.rtsh.al, sowie um 19 Uhr 30 bis 20 Uhr auch auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz.

Lutz Winkler, unser Freund und  Stammhörer schreibt uns diesmal unter anderem:

Lieber Astrit, liebe Kleidja, lieber Juxhin,

die erste Hälfte des Jahres 2020 ist vorbei, der Sommer ist bei uns angekommen. Teilweise sehr feucht und schwül – jedoch immer schön warm, so dass die Pflanzen im Garten sprießen und gedeihen.

Die Sendungen von Radio Tirana sind gut und verständlich zu empfangen. Schön, dass Ihr noch auf der Kurzwelle sendet.

In einem Beitrag habt ihr über der 142. Jahrestages der Liga von Prizren berichtet. Ich habe nicht verstanden, welcher geschichtliche Hintergrund diese Liga von Prizren hat. Vielleicht könntet ihr darüber mehr berichten? – Vielen Dank, so schreibt uns Lutz.

Hier unsere Antwort.

Die Liga von Prizren war die erste große albanische Bewegung seit der Zeit des albanischen Nationalhelden, Gjergj Kastrioti Skanderbeg, die  administrativ, politisch und  militärisch organisiert wurde. Gezwungen von den spezifischen  Umständen des Jahres 1878 haben die  Albaner  für eine gesamtalbanische Versammlung appelliert, die  die Vereinigung  von Albanien als Ziel hatte.

Nach der Unterzeichnung des Abkommens von Sankt Stephano zwischen Russland und der Türkei, das keine territorialen Rechte für Albanien anerkannt hatte, haben albanische Patrioten diese Versammlung  initiiert, um eine  endgültige  Trennung von der osmanischen Herrschaft zu proklamieren.

Die Liga von Prizren hat am 10. Juni 1878 in  der Bajraklie- Moschee in Prizren begonnen.  Nach Prizren kamen die Vertreter der vier  albanischen Vilajete: Shkodra, Manastir, Iannina und Kosovo. Es waren 300 Delegierte  albanischer Gebiete dabei.

Bereits am 30. Mai 1878 veröffentlichte das geheime Zentralkomitee zur Verteidigung der Rechte der albanischen Nation – eine Vereinigung prominenter Albaner in Istanbul – eine Proklamation, in der es hieß:

„Wir fordern nichts mehr, als mit unseren Nachbarn Montenegro, Griechenland, Serbien und Bulgarien in Frieden zu leben. Wir fordern und wir wollen nichts von ihnen; aber wir sind fest entschlossen zu behalten, was uns gehört. Man soll das albanische Land den Albanern lassen.“

Auf dieser Versammlung gab es zwei Strömungen: eine war für  die nationale und territoriale  Vereinigung, während die osmanischen Fraktionen Druck ausübten, damit Albanien Bestandteil der Hohen Pforte bleiben konnte.

Diese Versammlung wurde  von Iljaz Pascha Dibra geleitet, während das politische Programm von  den Ideologen der albanischen Nation ausgearbeitet war, wie Sami Frashëri, Pashko Vasa, Abdyl Frashëri und Jani Vreto.

Die Liga von Prizren musste  drei  Hauptaufgaben erfüllen: Widerstand gegen die  Zerstückelung der  albanischen, ethnischen Gebiete, die Vereinigung der albanischen Gebiete in einem Vilajet und der  europäischen  Politik und Öffentlichkeit zu  zeigen, dass die Albaner eine eigene Nation auf dem Balkan waren.

Die Liga von Prizren wählte auch die Leitungsorgane. Das höchste Organ war der  Generalrat, der  legislative Funktionen ausübte. Der Generalrat gründete das nationale Komitee, das die Aufgaben einer  Regierung erfüllte. Das Komitee hatte drei Kommissionen: für  außenpolitische Angelegenheiten, für  innere Angelegenheiten und für Finanzangelegenheiten. Dann wurden auch die  Einheiten dieses Komitees in jenen Regionen gebildet, wo  die Gefahr der  Zerstückelung  der albanischen Gebiete  vorhanden war. Die sogenannte  lokale Regierung in Shkodra bildete auch freiwillige Truppeneinheiten im Kampf gegen die  Besatzungskräfte der Nachbarländer.

Nach der Eröffnung des Berliner Kongresses am 13. Juni hat die Sektion der Liga für  Shkodra und Dibra ein Telegramm an den Kongress geschickt, in dem gefordert wurde, dass  Tivar, Shpuza und Podgorica  Bestandteil des Vilajets von Shkodra bleiben mussten. Das Telegramm wurde von  500 Personen unterzeichnet. Doch Bismarck lehnte diese Forderung ab und bezeichnete Albanien damals nur als einen „geographischen Begriff“.

In einem Memorandum der Liga von Prizren heißt es unter anderem. Die  Albaner hätten als einziges  Balkanvolk keinen Vertreter ihrer Interessen in Berlin… Die Albaner  sind ein eigenes Volk, mit eigener Sprache und eigenen Traditionen.

Die Liga von Prizren war deshalb wichtig, weil  sie  die Weltpolitik und die Albaner sensibilisierte, die Rechte der Albaner  zu anerkennen. Danach  haben auch die  Aufstände der Albaner für die Einheit der albanischen Gebiete begonnen, die am 28. November 1912 zur Proklamation der nationalen Unabhängigkeit führten.

 

 

 

 

 

 

 

Share this...
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter