Unsere Hörer fragen – wir antworten

Liebe Leserinnen und Leser der Webseite von Radio Tirana,

liebe Hörerinnen und liebe Hörer des deutschen Programms von Radio Tirana,

herzlich willkommen zu unserem Programm. Ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende! Sie empfangen Radio Tirana täglich, von Montag bis Samstag, auf unserer Internetseite www.rti.rtsh.al, sowie um  19 Uhr 30 bis 20 Uhr auch auf der Kurzwellenfrequenz 3985 kHz.

Wir haben in dieser Woche einige inhaltsreiche Briefe erhalten und dafür möchte ich allen Absendern dieser Woche herzlich danken.

Prof. Dr. Hansjörg Biener, unser regelmäßiger  Hörer und Freund von Radio Tirana schreibt uns  diesmal unter anderem:

Sehr geehrte Damen und Herren,

lieber Herr Ibro,

Bei den Nachrichten sind Bezugnahmen auf „Abkommen vom 5. Juni“ nicht hilfreich, weil man nicht unterstellen kann, dass der Hörer weiß, was gemeint ist. Vielleicht gibt es Hörer und Hörerinnen, die Radio Tirana fast täglich verfolgen. Für andere Hörer jedoch waren diese Meldungen unverständlich. Deshalb sollte man schon bei der Formulierung der Nachrichten vom weitesten Hörerkreis der Zufallshörer ausgehen, so schreibt uns Herr Biener, dem ich für seine Hinweise herzlich danken möchte.

Wir bringen heute eine kurze Information über den Kompromiss  der politischen Parteien  über die Wahlreform. Dieser Kompromiss wird  im politischen Wortschatz bei uns als das Abkommen vom 5. Juni bekannt.

Liebe Hörerinnen und  Hörer,

Die sozialistische Regierungsmehrheit und die vereinte Opposition haben  am 5. Juni 2020  einen Kompromiss über die Wahlreform erreicht und dafür ein Abkommen  unterzeichnet. Das Abkommen muss im Parlament so zugestimmt, wie die Seiten erreicht haben, so heißt es im Dokument, das die Vertreter der politischen Parteien unterzeichnet haben. Und  dieses Abkommen wurde am 23. Juli 2020  im albanischen Parlament zugestimmt.

Dieses Abkommen ist mehr Frucht des Druckes der  amerikanischen und europäischen Partner, als des Willens der politischen Parteien, bei denen  das gegenseitige Vertrauen fehlt.

Die Opposition hat auf vorgezogene Wahlen und eine  Experten-Regierung verzichtet. Das politische Abkommen enthält die  biometrische  Identifizierung der Wähler, die Reformierung der  Zentralen Wahlkommission und die Entpolitisierung der Administration der Wahlen in einer  späteren Zeit. Die Parlamentswahl, die  im April oder Mai 2021 abgehalten wird, soll mit der aktuellen Wahl-Administration realisiert, die aus politischen Vertretern der  Parteien besteht. Bei jedem Wahllokal soll es Kamera geben, um Unregelmäßigkeiten zu dokumentieren. Das Abkommen regelt auch die Finanzierung der Parteien vor. Die Parteien werden im Wahlkampf von dem Staatshaushalt finanziert, während  die privaten Geber nicht mehr als  die Hälfte der  staatlichen  Finanzierung geben dürfen.

Dieses Abkommen  ebnet den Weg für  ein Datum für  den Beginn der Beitrittsgespräche Albaniens mit der EU.

Wie wir schon berichtet haben, haben wir  inzwischen den  Rundbrief 74 erhalten. Ich möchte  bei dieser Gelegenheit unserem Freund Werner Schubert herzlich danken. Wir  verlesen wir einen Ausschnitt aus dem  Rundbrief 74 über die Corona-Pandemie  und die Situation in Albanien.

Wir werden gern einige Zahlen aktualisieren.

Werner schreibt unter anderem:

Die Krankheit COVID-19 tritt in Albanien als Teil der von der WHO am

  1. März 2020 zur Pandemie erklärten weltweiten Verbreitung des SARS CoV-

2 -Virus auf. Am 8. März bestätigte Albanien seine beiden ersten

Fälle. Trotz der zunächst relativ geringen Infektionszahlen wurde bereits

am 9. März eine nationale Ausgangssperre mit einem vollständigen Ausgangsverbot

an Sonntagen verhängt. An Werktagen wurde der Ausgang zur

Grundversorgung auf eine Stunde täglich für eine Person eines Haushalts

beschränkt. Zum Erhalt einer Ausgangsgenehmigung musste man über

eine spezielle App einen entsprechenden Antrag stellen. Für Menschen im

Rentenalter galt eine ausnahmslose Ausgangssperre, deren Versorgung

wurde durch staatliche Stellen und freiwillige Helfer organisiert. Die

Öffnungszeiten für Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte und Tankstellen

wurden werktags auf 5 bis 13 Uhr eingeschränkt.

Parallel schloss Albanien seine Grenzen zu den Nachbarstaaten und stellte

den Flug- und Fährverkehr fast vollständig ein. Für Ausländer wurde ein

Einreiseverbot verhängt. Zeitweilig wurden Fahrverbote für Privatfahrzeuge

verhängt und der Busverkehr in Tirana und Durrës eingestellt. Die

Schulen wurden geschlossen und statt des regulären Fernsehprogramms

der Unterricht als Liveübertragung auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen

RTSH verlegt.

Am 19. März kündigte Ministerpräsident Edi Rama Hilfsmaßnahmen in

Höhe von rund 320 Millionen Euro an um die Wirtschaft, das Gesundheitssystem

und in Not geratene Bürger zu unterstützen.

Im März und April stieg die Anzahl der Neuinfektionen zwar kontinuierlich

an, jedoch in weit geringerem Maße als z.B. im Nachbarland Italien.

Nachdem im Mai fast keine Todesfälle mehr verzeichnet wurden traten am

  1. Mai die ersten Lockerungen in Kraft: Restaurants und Cafés durften im

Freien wieder öffnen. Ebenso die meisten Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe

wie Hotels oder Museen, das Tragen von Gesichtsbedeckung und

Handschuhen war jedoch Pflicht.

Am 1. Juni wurden die letzten Ausgangssperren

aufgehoben und Gastbetriebe auch wieder im Innenraum geöffnet,

ebenso alle Kindergärten. Die Nutzung der Strände wurde am 6. Juni

zugelassen, am 15. Juni wurde der Flughafen Tirana für den kommerziellen

Reiseverkehr wieder geöffnet, eine Woche später auch der internationale

Schiffsverkehr für Personen von allen albanischen Häfen wieder

zugelassen. Sportliche und kulturelle Großveranstaltungen sind aber

weiterhin verboten, ebenso sind Nachtclubs, Theater und Kinos noch

geschlossen.

Der Ausnahmezustand wurde am 23. Juni aufgehoben, noch bestehende

Schutzmaßnahmen behielten aber weiter Gültigkeit.

Bedingt durch die Rücknahme der verschiedenen Anordnungen steigt die

Infektionszahl sowie die Zahl der Verstorbenen seit einigen Wochen wieder

spürbar an. Als eine der Reaktionen darauf gibt es seit 15. Juli wieder die

Pflicht in allen öffentlichen Gebäuden Masken zu tragen- so können  Sie im Rundbrief 74 lesen.

Inzwischen gibt es eine weitere Verschlechterung der Situation. Im Durchschnitt gibt es  täglich  90 bis  100 neue Infektionen.  Leider  sterben täglich  4 bis 6 Personen.  Die  Infektion hat sich vor allem unter den Jugendlichen verbreitet, die die Regeln nicht streng halten.

 

In Albanien gibt es gegenwärtig 2673 aktive Fälle, von denen 1477 in Tirana lokalisiert worden sind.

Testungen:  44295
Infizierte:  6016
Genesene:  3155
Aktive Fälle:  2673
Verstorbene:  188

 

 

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